bijou 20

Juni 2006

Das Bisexuelle Journal
Mitgliederzeitung von BiNe e.V.
Titelbild: 3 auf einer Bank betrachten den Bi-Mond

Inhalt

Redaktionsworte

Persönliche Eindrücke

Frauentreffen

RAR — Richtig am Rand

Liebesgeschichte

Kölle Aloha

CSD in Hamburg

Ein Formwandler

Das Outing

Polyamory und BiNe

Ein Frühstück zu dritt

Der Beweis

Gegeben

Von Goldfischen

Bi-Horoskop

Der Vorhang geht auf

Das Safer-Sex-Schlampen Projekt

BSDS — BiNe sucht die Superschlampe

«Fessle mich!»

Sinnliche Erkundungen

Und dann war da noch

Impressum

letzte Seite

Ältere Ausgaben
bijou 20 als PDF-Datei

Redaktionsworte

Was erwartet Euch im Bisexuellen Journal 20?

Ihr könnt etwas über die Aktivitäten, die BiNe e.V. unterstützt oder selbst durchführt, erfahren - teilweise etwas historisch, aber dennoch interessant und nicht weniger aktuell! Da ist die letzte Mitgliederversammlung im April 2006, die Theater- AG von BiNe e.V., der CSD Hamburg Juni 2005 mit Bi-Stand, der CSD Köln Juli 2004 und das BiNe-Frauentreffen August 2004. Des weiteren ist auch das Behinderten-Projekt RAR und die neue Polyamory-AG interessant.

Wer es etwas theoretischer mag, guckt in den Beweis, dass alle bisexuell sind. Wer dagegen lieber Kurzgeschichten liest, liegt beim Formwandler und dem Outing richtig.

Andere Medien werden durch das Buch Ein Frühstück zu dritt und den Film Goldfish Memory repräsentiert.

Am Ende gibt es noch ein Bi-Horoskop, letzte Worte, schließlich den ganz kurz vor Redaktionsschluss eingetroffenen Bericht von der xplore Berlin, und dann noch den nach Redaktionsschluss eingetroffenen Artikel über die Safer-Sex-Schlampen.

Also müsste für jeden etwas dabei sein — Informatives, Theoretisches, Unterhaltsames, Amüsantes — für Bisexuelle und auch andere Interessierte!

Frank im Mai 2006



To Bi or not to Bi
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Persönliche Eindrücke

vom BiNe-Konzeptseminar vom 7.-9.4.06 in Butzbach

Große Erwartungen waren es nicht, die ich an das BiNe-Konzeptseminar stellte, was vom 7.-9.4.06 in Butzbach stattfinden sollte, als ich mich auf den Zielort zu bewegte. Angesichts der Tatsache, dass ich im Zusammenhang mit BiNe-Treffen schon so manche herbe Enttäuschung verkraften musste, nicht der schlechteste Vorsatz.

Seit 9 Jahren nun nehme ich regelmäßig an BiNe-Treffen teil, auch auf Konzeptseminaren war ich schon zugegen. Das Novum an diesem Treffen: Erstmals sollte die Mitgliederversammlung (MV) im Rahmen eines Konzeptseminars stattfinden. Bisher wurden diese ja stets während des Frühjahrstreffens abgehalten. Dem Votum der MV von 2005 wurde damit genüge getan.

Dass es sich um ein intensives Arbeitstreffen handeln würde, stand von vorn herein fest. Keine Party, keine LOBBI, keine Wohlfühl- Workshops, geht das überhaupt?

Wird das nicht öde und langatmig?

Diese Befürchtung meinerseits sollte sich bereits während des Auftaktabends am Freitag in Luft auflösen.

Die Teilnehmerzahl wurde auf 25 Personen reduziert. Gekommen waren all jene, die auch in der Tat arbeiten wollten. Der harte Kern der Aktiven einmal, aber auch ein paar neue Gesichter, das ließ Hoffnung in mir aufkeimen.

Die MV nahm den größten Teil des Samstag in Anspruch. Die Hoffnung, diese rasch abzuwickeln, sollte sich nicht erfüllen. Doch es zeigte sich bald, dass die intensiven Diskussionen durchaus sinnvoll und von Nöten waren.

Neben den für eine MV üblichen Punkten wie Vorstands- und Kassenbericht etc. wurde mit viel Engagement über die Zukunft von BiNe debattiert. Über allem schwebte die Frage: Wie soll es mit dem Verein weitergehen? Wie sehen unsere Visionen aus? Wo sollen Schwerpunkte der Arbeit in Zukunft verankert werden? Angesichts der noch immer prekären finanziellen Situation nicht gerade leicht zu beantwortende Fragen.

Mit ca. 150 Mitgliedern hat BiNe eine recht solide Basis. Neuzugänge und Austritte hielten sich in etwa die Waage, ein kleiner Lichtblick. Ein Teil der Regionalgruppen arbeitet auf lokaler Basis auch weiterhin aktiv. Schade, dass sich die Theater- AG auflöste, aber vielleicht ist noch nicht aller Tage Abend.

>Unser Vorstandsmitglied Maik Eisfeld
Als besonders positiv empfand ich die Bereitschaft, das Bijou (Bisexuelle Journal) wieder anzukurbeln. Alle waren sich einig: Es soll wieder erscheinen, sowohl online aber auch als Papierausgabe. Schnell fand sich ein neues Redaktionsteam, das noch während des Treffens die Arbeit aufnahm.

Ich erinnere mich schon, des öfteren in solchen Teams gesessen zu haben. Leider vermochte es bisher jedoch keines dem Bijou für längere Zeit neues Leben einzuhauchen. Doch der Unterschied zu früheren Versuchen zeichnete sich schnell ab. Wir legten uns nicht auf einen Zeitplan fest, wollen alles ruhig und mit Augenmass angehen. Auch wurden die Zuständigkeiten bedeutend besser verteilt. In mir wuchs die Zuversicht, dass wir es dieses Mal schaffen können.

Was die Arbeit des Vereins selbst betrifft, herrschte Einmütigkeit darüber, BiNe besser in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Durch das Ausgliedern der MV sind wir nun in der Lage 2 offene Treffen im Jahr anzubieten. Es wird sich zeigen, welchen Anklang diese Möglichkeit findet. Auf diese Weise können aber auch neue Mitglieder gewonnen werden. Kontrovers wurde die aufgeworfene Frage diskutiert, ob wir auf unseren offenen Treffen externe Referenten zulassen. Das wurde nicht ausdrücklich ausgeschlossen, wenn auch der altbewährten Form der Workshopanbieter der Vorrang einzuräumen ist. Ausgeschlossen wurde mit großer Mehrheit die Nutzung der BiNe- Treffen für kommerzielle Veranstaltungen.

Gewürdigt wurde die gelungene Neugestaltung der Internetseiten.

Als das Konzeptseminar am Sonntag abgeschlossen wurde, lag ein arbeitsreiches Wochenende hinter allen Beteiligten. Ich stellte mit Freude fest, dass ich nicht der einzige war, der mit guten Eindrücken nach Hause zurückkehren sollte.

Der Weg nach Butzbach hatte sich auch dieses Mal gelohnt.

Maik Eisfeld
BiNe-Vorstand



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Frauentreffen

vom 27.8. bis zum 29.8.2004 in Charlottenberg
Aus der Sicht einer «Erstlingsbesucherin»

Das Zimmer ist geräumt, mein Blick schweift über das Tal hinüber zu den Hügeln (sorry - als eine Frau aus Bayern kommend, ist alles, was unter 2000 Meter ist, ein Hügel). Das Frauenhaus liegt wunderbar. Meine Gedanken schweifen um mein erlebtes Wochenende mit der Frauengruppe der BiNe. Tiefe warme Gefühle erfassen mein Herz. Ja, wie wohl fühlte ich mich in den vergangenen Tagen, seit ich angereist bin. Es war eine kurze Verweildauer, und ein tiefer Seufzer macht sich breit. In kurzer Zeit werde ich nun bald ein letztes Mahl mit den Frauen einnehmen und mit neuen Erfahrungen, Gefühlen und Wissen kehre ich in meine Welt zurück. Tiefe Eindrücke und Erinnerungen werden mich begleiten.

Ich fühle nach, wie ich aufgeregt zum Empfang kam und nach meiner Zimmergenossin und unserem Zimmer fragte. Glücklich es gefunden zu haben, dort meine Tasche auspackte. Noch orientierungslos und die Frage «was mich erwartet»? Ich werde von ihr aufs herzlichste begrüßt und freue mich, ich bin angekommen. Ich erkenne einige Frauen von dem offenen Treffen der BiNe. Wir essen gemeinsam zu Abend, doch eine gewisse Spannung bleibt in mir erhalten. Das Plenum ist informativ, ich erfahre Details über die Abläufe des Wochenendes, Workshops und Gesprächrunden. Beim «Kennlernspiel» suchen sich die braunen Augen zusammen, ich habe doch grünbraune. Ja, doch da gibt es einige und so findet sich eine Gruppe und es ist locker und entspannt. Es gibt kein Eis zu brechen, ich fühle mich schon sehr wohl. Bei der gemeinsamen Sternzeichensuche erschrecke ich, nur zwei Krebse, doch Familienmenschen? Hm, ich denke kurz darüber nach und lache über mich selbst.

Es geht zur Gesprächsrunde der Neuen. Ich lerne weitere Frauen kennen und erfahren über die verschiedenen bisexuellen Stammtische der einzelnen Städte und auch deren Aktivitäten.

Ein toller Höhepunkt schließt das Liebesgedichte lesen untermalt von entspannender Musik im Kuschelraum mit liebevoll miteinander umgehenden Frauen den ersten Abend ab. Ich fühle mich aufgenommen. Meine Anspannung ist völlig verschwunden.

Ich schlafe selig ein und schlafe wohl und träume wunderbar in der ersten Nacht meines ersten Frauentreffens. Am Morgen werde ich von meiner «Mitschläferin» liebevoll geweckt. Hecktisches Treiben in den Duschräumen, dafür entspanntes Frühstück. Ich bin stolz über meinen Mut, mich in den Workshop der «weiblichen Ejakulation» eingetragen zu haben, und aufgeregt bin ich.

Frohen Mutes gehe ich zum Plenum. Oh je, danach geht es los, mit sehr gemischten Gefühlen gehe ich zum Workshop. Die Workshopleiterin erklärt liebevoll die Details und interessante wissenschaftliche Erkenntnisse über die Möglichkeit der weiblichen Ejakulation. Und natürlich wie wir das in die Praxis umsetzen können, was wir dann auch tun. Ich wundere mich über meine eigene Gelassenheit und die Erklärung ist schnell gefunden, es ist die Einfühlsamkeit von der Workshopleiterin und einen anderen Frau, die mithalf, die mir so meine Befürchtungen nehmen. Ich lasse mich ein und vertraue mich der Führung meiner Partnerin an. Ich erfahre viel über mich und meinen Körper und fühle mich danach sehr wohl. Ich bin tief berührt und nach dem Mittagsessen spüre ich das Erlebte mit einem sehr warmen und einem sehr sanften Gefühl nach. Eine Gesprächsrunde mit dem Titel «let's talk about Sex», erweckt ein weiteres Mal meine Neugierde. Eine heitere und unglaubliche Offenheit über die all so umfassende Unendlichkeit der Sexualität macht die Runde, und ich bin ein zweites Mal erstaunt. Was für ein Wochenende!

An diesem Tag ist dann die Party mit dem Motto «Handwerkerin» der Abschluss dieses tollen und mich persönlich stimmigen Tages. Nun das wagte ich nicht wirklich zu erwarten.

Die Nacht war kurz. Der nächste Tag dafür ruhig, mit gemütlichem Frühstück, abschließendem Plenum, ein Zusammenkommen mit wunderschönen Entspannungserlebnissen. Eine Feedbackrunde.........! Ein für mich absolutes vollkommenes Wochenende. Ein großes Dankeschön dem «Orgateam» der Frauen der BiNe! Gut, dass es so was gibt und mir die Möglichkeit gab, meinen Horizont weiter zu öffnen und Gefühle, die sich in mir verbargen, damit ans Licht konnten.

Mila aus Regensburg



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RAR — Richtig am Rand

Hallo Leute!

Ich bin Corrie, Eure neue Kontaktperson für «Bi mit Handicap». Zu meiner Person: Bin 41, Spastiker und schwul. Jetzt fragt ihr Euch: «Was macht denn der bei BiNe?»

Tja, mein Freund ist bi und war damals bei BiNe e.V. Mitglied. Außerdem habe ich letztes Jahr in Köln eine Gruppe gegründet für «Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender mit Behinderung mit und ohne Partner». Sie trägt den Namen «RAR — RICHTIG AM RAND».

RAR - Richtig am Rand
Ich möchte die Szene für das Thema «Behinderung» sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, dass schwule und bisexuelle Behinderte doppelter Diskriminierung ausgesetzt sind:

In der Szene sind Behinderte nicht gern gesehen. «Schön, jung, fit und dynamisch» ist hier angesagt. Wer diesem Ideal nicht entspricht, guckt oft in die Röhre. Und unter Behinderten sind es gerade LGBT's, die besonders anecken. Hier ist besonders «in», wer möglichst «normal» ist. Wer da nicht mithalten kann, stört, wird nicht ernst genommen und erfährt Ausgrenzung in verschiedener Form.

Mehr Infos zu RAR gibt's unter http://www.richtigamrand.de

Corrie





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Liebesgeschichte

von Corrie, schwerstbehindert, 39 Jahre

In meinem Leben hatte ich 3 Liebesbeziehungen:

Die erste, da war ich 19 Jahre alt, ich stehe dazu, dass ich mich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühle  ...  mein erster Freund sagte mir bereits am Anfang, dass er nur mit mir zusammen sei, weil ich ja nicht in der Lage bin, mich allein zu befriedigen  ...  womit Er ja auch so Recht hatte  ...  Nun war es vorauszusehen, dass Er mich verlassen würde, dies geschah dann auch nach einem Jahr  ...  Er lernte eine Frau kennen, und ich fühlte mich so verletzt von ihm, weil es bei mir Liebe war  ...  bei ihm nicht  ... 

Meine zweite Beziehung hatte ich mit 36 zu einem Pastor  ...  doch Er sagte immer zu mir, Er könne mich nicht lieben, denn seine Liebe gehört einzig und allein Gott  ...  Er erwähnte noch, das ich doch glücklich sein solle, dass mich überhaupt jemand nehmen würde  ... 

Sicher hatte auch Er auf seine Art Recht, immerhin hatte ich 15 Jahre keinen Menschen getroffen, der mit einem behinderten Menschen eine Beziehung führen würde. Da ich eine große Sprachbehinderung habe, denken viele, dass ich auch im Kopf nicht klar wäre  ...  leider ein falscher Schluss  ...  und doch nachvollziehbar aus meiner Sicht.

Mein Selbstbewusstsein ist sehr stark, und ich wollte mich dadurch auch nicht unterkriegen lassen ... so gab ich eine Annonce in einer Schwulenseite im Internet auf! Das Feedback war: 4 Leute meldeten sich  ...  wobei 3 absolute Spinner waren, die beim ersten Treffen erst gar nicht erschienen  ...  sie hatten wohl Angst oder nahmen mich nicht ernst  ... 

Der 4. jedoch hatte mich von Anfang an *umgehauen*  ...  nach 2 Wochen erst hatten sich die Gefühle bei ihm entwickelt  ...  doch das Schönste, was Er mir sagte, waren nur 3 kleine Worte mit enormer KRAFT  ...  und die ich in 39 Jahren noch niemals gehört habe  ...  

...  Ich Liebe Dich




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Kölle Aloha

oder Schluss mit den Mogelpackungen

Vom 2. bis zum 4. Juli fand dieses Jahr [2004, Anm. der Redaktion] in Köln der CSD unter dem Motto «Schluss mit den Mogelpackungen» statt.

Aber war diesmal nicht der ganze CSD —aus kommerziellen Gründen zum ColognePride umbenannt- eher eine reine Mogelpackung?

Es machten sich zwar trotz des unbeständigen Wetters Hunderttausende zum Event auf,

30 000 Leute auf circa 80 Wagen und in Fußtruppen nahmen an der abschließenden Parade am Sonntag teil, und natürlich fehlten auch die Bis (diesmal wieder mit niederländischer Unterstützung) nicht.

Dennoch fragten sich hinterher viele » Ist das noch unser Fest»?

Auch seitens der Organisation für den Bi-Infostand wurde mangelnde Kooperation mit den Veranstaltern beklagt. So erfuhr man schließlich erst einen Tag vor der Veranstaltung, wo der Stand aufgebaut werden sollte ...

Schade fanden einige ebenfalls, darunter auch ich, dass das politische Forum anscheinend immer kleiner wird und an dessen Stelle immer mehr Fressbuden und Bierstände treten -wobei ja selbst Kölsch, das muss ich zugeben, dem Immi und dem Dazugereisten irgendwann gut schmeckt.

Sollten wir alle eine «Back-to- your—roots-Bewegung» anstreben, wie Fabian von uns Kölner Uferlosen meint? Oder sollten wir uns eher der Akzeptanz großer Firmen, wie Ford, Konzernen wie West oder Sendern wie RTL und WDR 4 freuen, die vor Jahrzehnten nicht unter diesem Motto mit auf die Straße gezogen wären, als der Kölner CSD-Umzug noch aus 150 und nicht 30 000 Teilnehmern bestand?

Der Kölner Dom

Ich würde mir beides -also mehr politisches Bewusstsein auf dem Fest und noch mehr Akzeptanz von großen und kleinen Firmen, sowie von großen und kleinen Bürgern- wünschen.

Und am Rande bemerkt: Wer dieses Jahr beim «rosa Karneval», wie die Kölner sagen, nicht dabei war, dem bleibt auf jeden Fall der CSD am ersten Juliwochenende 2005, denn nicht nur das «Wasser vun Kölle», sondern auch das «Fiere in .Kölle is jot!»*

Petra

*Für Kölschunkundige: In Anlehnung an ein Karnevalslied ist nicht nur das Wasser von Köln, sondern auch das Feiern in Köln gut!


Statements zum ColognePride 2004

R.: «Der CSD wirkt wie eine Veranstaltung zur Verbreitung von Zwangshomosexualität!»

C.: «Der Normalbürger muss [vor Betreten der Tanzfläche] erst die Schwellenangst überwinden, sich in das sehr schön und ausgelassen feiernde Ghetto hinter den Strohmatten zu begeben.»

F.: «Ich finde es blöd, dass unser Fest' von Outsidern benutzt wird, um Werbung zu machen.»

C.: «Kommerziell war es doch die letzten Jahre schon immer, und besonders die Tanzbühne am alten Rathausplatz war geil.»

Uferlos Köln ist wie immer sehr aktiv:

Offenes Bi-Treffen jeden 1.Montag 20-22 Uhr /

Bi-Themenabend jeden 3.Montag 20-22 Uhr /

Bi-Café jeden Montag ab 19 Uhr im Gruppenraum, Bürgerzentrum Ehrenfeld (BüZe), Venloer Str. 429, 50825 Köln

Weiterhin Bi-Stammtisch jeden 3. Samstag ab 20 Uhr im Café am Bauturm, Aachener Straße 24

Und viele andere Pläne!

Kontakt: info@uferlos-online.de,

www.uferlos-online.de



Alle CSD-Termine

auf einen Blick findet man auf

www.schlagabtausch-hd.de/ csd-2006.php



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CSD in Hamburg

vom 10.-12.06.05
Bi-Banner in Hamburg

Beim CSD 2005 waren wir noch besser vertreten als letztes Jahr. Während wir im letzten Jahr mit einer anderen Gruppierung einen Stand geteilt haben, haben wir dieses Jahr 2 eigene Stände erhalten. Einen für unsere Jung-Bi-Vertretung (bis 36 Jahre bzw. wer sich noch dazugehörig fühlt, www.bigaystammtisch.de) und einen für darüber hinaus (http:// people.freenet.de/bi-treff-mhc). Dem Leiter der Hamburger Jung-Bi- Gruppe, Frank, möchte ich an dieser Stelle recht herzlich danken, da er sozusagen der Motor der Aktion gewesen ist. Frank, David, Christoph und ich waren fast während des gesamten Zeitraums vertreten. Frank hatte auch eine Fußgruppe für den Umzug gemeldet und wir waren auf unser Banner mit BiNe-Logo, Slogan «Bi free!» und Internet-Adressen mächtig stolz. Zeitverschoben sind wir dann mit 7 Leuten offiziell gelaufen -ein paar nicht organisierte «Anhänger» gesellten sich auch dazu. Stellenweise erhielten wir Applaus von denen, die am Straßenrand standen. Wir haben auch fleißig Flyer verteilt.

Unsere Stände wurden gut frequentiert; durch Banner, Filmplakate, BiNe-Logo-Wimpelreihe, Flipcharts, Prospekte, Broschüren, Karten, Flyer, Comics, Bijous, Literaturverzeichnisse usw. konnten wir uns gut repräsentieren. Der absolute Anziehungspunkt war unser Glücksrad mit kleinen Geschenken. Nette Diskussionen darüber, wie hoch wohl die Bi- Dunkelziffer ist, und andere netten Themen machten den Einsatz recht gut erträglich. Leider hatten wir dieses Jahr mit dem Wetter nicht so Glück gehabt.

Dafür hatten wir einen superguten Standort -zwischen Würstchen- und Bierbude, vor einem REWE-Laden und einer Gaststätte, wo wir freundlicherweise viel über Nacht lagern konnten und in unmittelbarer Nähe der AIDS-Hilfe mit preiswerten Snacks und warmer Stube sowie kostenfreier Toilettenbenutzung. In Räumen der AIDS-Hilfe fanden auch Interviews statt, die über den Hamburger Lesbisch-Schwulen (auch hier habe ich angesprochen, dass die Bis leider bei der Namensgebung unter den Tisch fallen) Radiosender ausgestrahlt worden sind. An dieser Stelle ist jeder herzlich gerne aufgerufen, sein Interesse für Beiträge beim Radiosender zu bekunden. Über Veranstaltungshinweise und anderer Öffentlichkeitsarbeit freut sich der Sender www. pinkchannel.de.

Bi-Stand beim CSD in Hamburg
Wir haben uns gefreut, dass wir von Bi-Gästen aus Berlin, Bremen, Kiel, Lüneburg etc. besucht worden sind.

Witzig war: Unsere ältesten Interessentinnen waren eine Dame um die 80 mit Kopftuch, die still und leise unseren Flyer mit Internet-Adressen eingesteckt hatte, und eine Dame um die 70 -auch mit Kopftuch-, die sich freute, dass es so was heutzutage ja endlich gibt...

Christoph hat zur Erinnerung ein paar Fotos gemacht, die zum Teil hier zu sehen sind.

Es wird sich zeigen, wie viel Resonanz nun bei den Stammtischterminen sein wird. Schließlich wurden als Hauptpreise auch ein paar Freibiere ausgegeben, die man nur beim Stammtisch einlösen kann.

Auf dass wir nächstes Jahr unsere Aktivitäten noch toppen können und viel Besuch aus ganz Deutschland und der Welt bekommen...

Grüße an alle, die mich kennen und mich noch kennen lernen wollen!

Marlies



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Ein Formwandler

Mit einer Bekannten fuhr ich auf eine große Sommerparty aufs Land. Nach zuviel Arbeit, zuviel Gejammer von aufdringlichen SchülerInnen und Studierenden mit unrealistischen Ansprüchen und zuviel Streit mit dem Kollegium wegen Termine und zweckloser Schulpolitik nahm ich sehr gerne die Einladung entgegen. Ich musste unbedingt aus dem Mist raus. Ansonsten wäre mir das Gefühl von Dreck und Nutzlosigkeit über den Kopf gewachsen.

Dort auf der Party lernten wir uns kennen. Als Formwandler hatte er/ sie/es so die Möglichkeit, in jeder auch denkbaren Form aufzutreten. An diesem Abend saß auf dem Sofa ein bunter Drache mit flimmernden Schmetterlingsflügeln, scharfen Eckzähnen und langer roter Zunge. Seine winzigen Schuppen glänzten und glitzerten bei jeder Bewegung wie eine lebendige plastische Diskokugel. Licht, Glitzern, Farbe, so sah dieses wunderbare, dieses ja zauberhafte Wesen aus.

Mit unverkennbar interessiertem Blick musterte mich die märchenhafte Figur lange und genau. Entzückt setzte ich mich neben das Traumgeschöpf und fragte sofort nach dessen Personalien.

«Sag mal, wie heißt Du denn?? Du bist nicht von hier, oder??»

Dann musste ich kurz kichern. Logisch hätte es überhaupt gar nicht sowas geben können, ich meine, kommt doch Leute, auf einer Party im Umland von Berlin hockt ein Drache??

Insofern so einer Gestalt ein kleines Lächeln möglich ist, grinste sie, schielte sie kurz blinzelnd auf mich. Mit übertrieben kehliger, doch zugleich zischender Stimme, wo die Audiozusammensetzung gar nicht menschlich wirkte, sondern vielmehr knurrende dämonische Tonbilder hervorrief, fragte die Glitzerfigur ganz frech, «warum machst Du mich so schamlos an?» Ich sagte voll überrumpelt u. überfordert die Wahrheit, dass ich noch nie mit einem so geil aussehenden Drachen selbst das geringste Gespräch geführt hätte, und ich wollte mal gucken, was da so auf mich zukommt.

Interessiert wollte das Geschöpf mal wissen, wieso ich dermaßen hemmungslos mit einem dermaßen auffällig märchenhaften Wesen überhaupt dermaßen Kontakt aufnehmen möchte?? «Ansonsten hätte ich schon längst diese Party als hoffnungslos langweilig abgeschrieben», meinte der Drache. Echt angetan erzählte ich kurz über meine Arbeit und wie sich denn vor so einem Hintergrund die Anwesenheit eines Drachen auf so einer Schulparty erklärt.

«Ach ja? Was meinst Du denn damit?» knurrte u. zischte die märchenhafte Form mit einer halben Drehung des Oberkörpers in meine Richtung. Durch die geschmeidige Bewegung spannten und glätteten sich wieder wie im Relief die Sehnen und Muskeln auf diesem Oberkörper. Die Mischung von Interesse u. Interessantsein haute mich gleich um. Ich war verzaubert. Denn ich fand die doppelte Wirkung so unwiderstehlich, dass ich mich auf der Stelle gehen ließ, um ungewöhnlich viel u. spontan über ziemlich alles zu labern, was mir zum Thema Kunst und Geschichte eingefallen und durch Erfahrung aufgefallen war.

Ein Formwandler
Meine Bekannten in der Fakultät für Psychologie an der Uni um die Ecke von der Schule hätten sich totaaaal für diese Mischung interessiert.

Offensichtlich war die Antwort genau richtig. Denn ab dem Moment versank um mich, um den Drachen herum sonst die Party total.

Logisch wollte ich über die Herkunft und Geschichte der Traumgestalt informiert werden. Mit der Zeit drängte sich in meiner Verwunderung doch noch die Frage auf, ob in dieser nach außen gerichteten Zusammenstellung auch noch ein bisschen die traditionellen emotionalen Fähigkeiten eines Drachen mitmachen?? Hatte er z.B. die Geduld und Ironie, die im überlieferten Bild des Drachen beide als Hauptmerkmale hervorstechen??

Meine Fragen dazu brachten das Glitzerwesen anscheinend total aus der Fassung.

«Wieso stellst Du mir solche geilen Fragen?» wollte es wissen. «Bis jetzt habe ich noch nie die Erfahrung gemacht, dass sich ein Mensch ernsthaft auf so eine Form wie diese hier einlässt. Ihr seid Euch Eurer einfach zu sicher, dass Ihr je sowas wie einen Drachen hättet ernstnehmen können. Deshalb pflege ich in meinem Umgang mit Menschen üblicherweise nur speziell die Formen, wo's überhaupt noch geht», behauptete es rätselhaft.

Also hauten wir uns auf einer super aufregenden Fragen- und Erzählebene ziemlich gegenseitig um. Denn weder ich noch die Märchengestalt wären anscheinend von alleine auf solche Fragen gekommen. Doch unsere gegenseitige Beschäftigung miteinander beflügelte uns gegenseitig.

Langsam griff diese Energie wundervoll auf andere Ebenen über. Wir flirteten ganz schamlos miteinander und wussten beide ganz genau, dass uns schon in Kopf und Körpergefühl Küsse, Worte, Haut, Duft, Denken, Wärme, Weiche, Schärfe, Stärke, Schwanz, Geschmack, Gedanken, hmmmm, so eine aufpowernde Mischung von Erregung und Entspannung rumschwirrte. Wir wussten, dass wir miteinander das alles und vieles mehr ausprobieren wollten.

Auf der winzigen Tanzfläche tanzten wir zu geiler Raggae- und Diskomusik. Wann ich zum letzten Mal getanzt hatte, wusste ich wegen sich anscheinend ganz von alleine anhäufender Arbeit wirklich nicht mehr ... neee, das stimmt nicht, sondern diese Betäubung kam vor allem wegen meiner zunehmenden psychischen Beschäftigung mit der Scheißarbeit. Woher die Leute auf der Party die Musik hatten, war mir nicht klar. Doch sie setzte Energien frei, durch die anscheinend allerseits altgespeicherte Bilder vergangener Tanzaktionen wieder ins Gedächtnis, ja ins Leben gerufen wurden. Nicht nur mich, sondern auch die Traumgestalt schienen Musik und Tanzen voll zu aktivieren. Nicht nur ihre Hände und Arme, sondern auch noch ihre Flügel fassten mich an, umschlangen mich, begehrten mich. Doch nicht nur auf mich, sondern auch von mir strömte Hitze und heiße Energie auf den Drachen zu.

Ich badete die ganze Zeit in seiner Glut, in seiner Wärme. Es war zunächst so komisch, dann aber wirklich geil, dass ein Drache, so ein Schuppentier, Wärme abgibt.

Meine Bekannte von der Schule hatte schon von alleine geschnallt, was da vor sich geht, und befreite mich grinsend von jeder Verpflichtung, ihr auch auf der Rückfahrt Gesellschaft zu leisten. Sie ist echt klasse.

Logisch flog ich auf dem gepanzerten Rücken zum Drachen nach Hause. Es wunderte mich aber total diese Fähigkeit, sowohl die entsprechenden körperlichen Kräfte und Fähigkeiten als auch die Form nachzumachen. Wo findet aber letzendlich so ein Wesen im Umland von Berlin einen angemessenen Unterschlupf?? Ich war gespannt, wie es sich so eingerichtet hatte. War vielleicht forwandlertechnisch ein Wirrwarr verschiedenster Überbleibsel zu erwarten??

Die Plastik des Unterschlupfs hatte ich nicht erwartet. Einen ehemaligen Wachturm an der Südgrenze zum ehemaligen Westberlin hatte der Drache ergattert u. so eingerichtet, dass in jedem Zimmer der Raum anders wirkt. Die Bilder im Wachturm waren so zusammengewürfelt, dass ich mich an vielen Ecken überhaupt nicht orientieren konnte und an anderen Stellen nur sehr schwer. «Was ist denn das hier für ein geiles Mobile?», fragte ich erstaunt vor einer Hängeinstallation, die sich langsam anscheinend von alleine drehte, abwechselnd helle und dunkle Teile zeigte und unregelmäßig und in wechselnder Tonhöhe einen leicht klirrenden Klang von sich gab. Aus der Antwort wurde ich nicht klug, weil ich noch nie vom Dschungelvolk in dessen Zeitrahmen gehört hatte, von dem der Drache sprach. Soweit ich weiß, weiß von diesem Volk weder die überlieferte Geschichte, noch die Geschichtswissenschaft auch das Geringste.

«Weißt Du, das finde ich an Dir einfach umhauend», verriet mir die Glitzerfigur. «Diese Mischung von Neugier u. Aufnahmebereitschaft ist mir noch nie begegnet. Bis jetzt haben mich die Menschen entweder aus Angst vergöttlicht, umgekehrt eingekerkert oder sie haben mich verspottet, ausgelacht und verjagt. Es gab aber schon immer zwischen Ehrfurcht u. Spott eine abgrundtiefe Kluft. Nur bei Dir scheint's nicht so. Wieso nicht?»

Tja, kann es sein, dass auf der Phantasielandschaft in meiner Arbeit auch der Umgang mit einem Drachen Platz findet, sogar ausgerechnet dort Kontur annimmt? So sieht's aus, denn für mich wirkte der Drache nicht als Wunder, sondern vielmehr als wundervoller Spaß.

Ich hatte eine letzte Frage. Was macht die Zusammenstellung, sobald sich der Formwandler inmitten der körperlichen Ekstase von der eigenen Formsteuerung loslöst?? Oder, lautet die Frage nicht eher, ob sich das Wesen je von der eigenen Formsteuerung loslöst??

Wir hatten überhaupt nichts ausgemacht, doch ich wusste, dass ich ihn, ich hatte ihn schon längst ziemlich als ihn verstanden, seine Form, seine Sprache, seinen Blick auf mich unwiderstehlich fand und dass er mich genauso scharf fand.

Zu fragen blieb schlussendlich nur noch, wie man überhaupt als Mensch erotisch mit einem Drachen umgeht?? Mann-O, wie sollte ich denn ja mit Zähnen u. Krallen klarkommen?? Meine starke Vorliebe zum Oralen zeigte sich sofort als .... tja, Anmacherei hoch 2. Meine ganze breite Oralpalette aktivierte ich, stellte ich womöglich auf Reaktionen ein, die vielleicht von den normalmenschlichen abweichen. Alles, was ich sowieso soooo gerne mit dem Mundwerk mache, kam im Grunde überall auf dem etwas weich gepanzertem Körper sehr gut an. Ich erwartete gespannt eine wachsende Ausbuchtung oder vielleicht andersrum eine besondere Öffnung, ohne zu wissen, wie dies sich zeigen sollte.

Nicht überraschenderweise gibt's offensichtlich beim Drachen zugleich beides, also hatte ich nach kurzer Zeit total die Wahl, wie wer in wen wenn überhaupt eindringt. Nur dieses Ineinanderdringen hatte dann für mich eine besondere Bedeutung, weil ich zeitgleich mich in ihm und ihn in mir spüren wollte. Phantasie?!? Mit einem Formwandler müsste ja aber letztendlich alles möglich sein. Seine Reaktionen auf meine Ganzkörperfixierung sagten mir eher, dass er nur begrenzt mit solcher Einfühlsamkeit Erfahrung hatte. Erstaunlich ist's manchmal, wie wenig sich die Leute - hier im übertragenen Sinne - selber kennen. Je einfühlsamer ich wurde, desto weicher wurden die Gestalten, die das Märchenwesen nach und nach durchlief. Bald war die nach außen getragene Bestimmung von Atem, Krallen, Schuppen und Form vorbei.

Die paar Tage Auszeit wirkten so, als wäre ich voll in ein Märchen voller Farbe, Blitze und Wärme abgetaucht.

Kai



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Die junge Berliner Bi-Gruppe «Sonnendeck»

hat nun auch eine eigene Website: www.sdck.de

Jeden zweiten Monat gibt es ein offenes Treffen am 3. Freitag um 21 Uhr offenes Treffen im «lokus», Marheinekeplatz 4, 10961 Berlin, U7 Gneisenaustraße.

Darüber hinaus gibt es geschlossene Treffen und viele Aktivitäten!

Kontakt: Ralf, ralf@sdck.de



Das Outing

Die Sonne schien auf sein blondes Haar. Daniel stand in der knallharten Sonne und tippelte von einem Fuß auf den anderen. Nervosität, Aufgeregt sein, Erregung, Unsicherheit, Vorfreude, Angst, Trance, Spannung und die Sucht nach Freiheit! Was er genau fühlte, konnte er nicht sortieren. Und ob nun die positiven Aspekte überwogen oder ob es genau andersherum war oder ob sich alles die Waage hielte, er konnte es nicht sagen. Doch darüber machte sich der junge Mann gar keine Gedanken. Der große Moment stand bevor! Würde er es wagen? Würde es gut ankommen? Würde man ihn so akzeptieren, wie er ist? Wäre es in Ordnung, dass er beides mag? Oder wäre es ein großes Drama? Leben wir noch in einer unaufgeklärten, befremdlichen Welt, in der man sich an etwas anpassen muss, was keinen Sinn ergibt? Oder ist alles völlig normal? Nichts Besonderes?

Der Bus kam endlich, befreite Daniel aus dem eingeengten Alleinsein, dem Warten auf die Weiterentwicklung, der Befreiung aus den Zwängen der Heimlichkeit. So stieg Daniel in den Bus und fuhr nach Hause, um endlich das zu offenbaren, was er nie wieder verheimlichen wollte. Es war soweit, und nichts könnte ihn mehr aufhalten! Oder doch? Nein, irgendwie ist es jetzt so, und da muss man durch. Und irgendwie wird es danach ja sowieso weitergehen. Es ist wie bei einer Prüfung. Am nächsten Tag ist alles vorbei. Und dann ist alles so, wie es eben ist. Man kann dann nicht mehr die Zeit zurückdrehen, und deswegen muss man sich auch nicht zu viele Gedanken darüber machen. Man macht eben, was man kann.

Daniel holt sein Portemonnaie aus der Hosentasche, sucht nach einem Bild und guckt es genüsslich an. Er ist so knackig. Einfach zum Anbeißen. Es ist unglaublich! Daniel kann die Augen nicht von ihm nehmen, am liebsten würde er seine Lippen jetzt an  ... . nein, nicht jetzt! Sollen die Leute zwar denken, was sie wollen, ihn mit dem Bild in der Hand sehen, von hinten guckt bestimmt eine alte Omi irritiert. Aber das macht ihm nichts — er steht dazu! Und um auch zu präsentieren, dass er nicht so einseitig ist, sich nicht durch äußere Normen auf einen Teil der Begierde beschränkt, holt er jetzt auch noch das zweite Bild heraus, das Bild dass Sie zeigt. So schön ist Sie, so zart und mit tollen Rundungen, so geheimnisvoll und lieblich. Auch auf sie will er nicht verzichten. Ach, ist es schön, so zu sein, wie man ist!

Der Bus ist da. Jetzt heißt es Aussteigen und zur Tat schreiten! Daniel geht forschen Schrittes und pochen den Herzens zum Haus seiner Eltern. Seine Schwester ist auch da. Er klingelt, öffnet zitternd die Tür, ja, er hätte gar nicht klingeln müssen.

«Simone, Eltern, kommt Ihr mal her?»

Oh Mann, jetzt muss es raus! Der Schritt ist gemacht, und es gibt kein Zurück mehr!

«Ich muss Euch was erzählen!»

Alle gucken gebannt auf ihn. Jetzt muss es raus, ja es geht nicht anders. Tief Luft holen, und vorbereiten, Augen zu und durch, auf die Plätze, fertig  ... . und jetzt geht es  ... . na?  ... . ja, der alles entscheidende Satz fällt: »Ich bin  ... . ich  ... . ich will  ... . ich mag  ... . ich  ... . ich mag sowohl eine Birne, als auch einen Apfel! Ich mag sie beide, beide Früchte!»

Eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden  ... . die Zeit verrinnt, und gleichzeitig bleibt alles stehen, kommt zum Stillstand oder jedenfalls fast! Das Schlagen der Uhr klingt wie ein Hämmern! Es ist eine Ewigkeit. Nichts passiert. Alles steht unter Spannung.

Birne und Apfel
Daniels Mutter fängt an zu lächeln: «Das ist doch kein Problem!» Und Simone steht auf und meint: «Wenn du uns nichts anderes zu erzählen hast. Yvonne ist genauso. Hat sie mir letztens gestanden! Eigentlich mag ja jeder den Geschmack beider Früchte! Ich steh trotzdem mehr auf Äpfel.» Und mit diesen Worten geht Simone raus: «Ich muss noch was für die Schule tun, können später noch quatschen!» Und Daniels Vater sagt: «Na, ein bisschen mehr musst du schon noch erzählen. Deine Mutter ich hatten uns das ja schon immer gedacht. Aber es ist schade, dass du es erst jetzt erzählst! Du müsstest doch wissen, dass wir nicht so intolerant sind wie unsere Nachbarn zum Beispiel, die ihrem Sohn nur eine Birnensorte, am besten nur von einem vorher bestimmten Baum zugestehen würden. Also, wie fühlst du dich? Erzähl doch mal!» Und so erzählte Daniel und erzählte, und es ward endlich das Normalste der Welt, was es schon immer war: Wenn er Hunger auf einen Apfel hatte, so griff er nach dem Apfel, und so ward der Apfel willig, so biss er zu. Und wenn er Hunger auf eine Birne hatte, so streichelte er die Birne, und wenn beide zusammen passten, so presste er die Lippen auf sie und vernaschte sie. Und wenn er wollte, konnte er auch beide Früchte zur gleichen Zeit haben. Er musste sich nicht festlegen. Was die Zeit bringt, wird sie zeigen!

Frank



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Polyamory und BiNe

— was soll das?

Als Marlies, Astrid und ich auf der Mitgliederversammlung am 8. April 2006 den Vorstoß machen, dass sich eine Arbeitsgruppe bei BiNe mit dem Thema Polyamory beschäftigen könnten, gab es eine Menge fragende Gesichter in der Runde: «Was ist Polyamory eigentlich?»

«Polyamorie (von englisch Polyamory) ist die Praxis, mehr als eine liebevolle Beziehung zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner. Die angestrebten Beziehungen sind langfristig und vertrauensvoll angelegt.» So jedenfalls definiert es Wikipedia und dort kann man noch sehr viel mehr Wissenswertes erfahren.

Wir drei nutzen die deutschsprachige Mailingliste für Menschen, die Mehrfachbeziehungen anstreben (www.polyamory.ch), und haben dabei festgestellt, dass es viele Bisexuelle auf der Liste gibt. Bei einem Treffen von Listenmitgliedern in Hamburg am 1. April haben Marlies und ich besprochen, das Thema in die Mitgliederversammlung von BiNe zu tragen, da ein Teil der Bisexuellen (natürlich nicht alle — es gibt auch viele monogame Bisexuelle) so leben möchte oder darüber nachdenkt.

Polyamory-Herz
Aber wie könnte die «Vernetzung» konkret aussehen? Wir haben uns mit anderen Interessierten (Gisela, Jürgen, Patricia, Karsten und Werner) am Abend des 8.4. zusammengesetzt bei Pistazien und japanischen Pflaumenwein (Danke Jürgen!) und Ideen gesammelt. Das Ergebnis? Für eine offizielle Arbeitsgruppe ist es vielleicht noch zu früh, aber wir wollen auf dem Herbsttreffen im Waldschlösschen ein bis zwei Gesprächskreise oder Workshops zu dem Thema anbieten.

Denkbar scheint uns ein Gesprächskreis, in dem wir unter Einbezug kreativer Dynamiken über folgende Themen nachdenken könnten:

Austausch von Erfahrungen «wie stehe ich zu Mehrfachbeziehungen» — «welche Lebensformen sind bekannt» — «welche Barrieren können auftauchen» — «wie können diese gelöst werden» - «Visionen und Utopien»...

Falls erwünscht, Informationen zum Begriff «Polyamory» (Entstehungsgeschichte, Listenhinweis, Links, Literatur...).

Wenn Interesse besteht, könnten wir in einer zweiten Session auf Themenschwerpunkte wie «Eifersucht in Mehrfachbeziehungen» — «Umgang mit Safer Sex» — «Nähe und Distanz» — «Netzwerke, Großfamilien, Kommunen und andere Utopien des Zusammenlebens» usw. eingehen.

Als zweiter Teil wäre auch ein praktischer Workshop (Körperarbeit, Meditation, kreative Methoden, Gruppendynamiken ...) zum Thema vorstellbar.

Wir freuen uns über Anregungen und Themenvorschläge!!!

Zeitgleich zu unserer Arbeitsgruppenarbeit fand in Berlin eine Autorenlesung zum Buch «Ein Frühstück zu dritt» statt. Viele der Autoren kommen aus unseren «Bi-Reihen». Die Lesung war ein voller Erfolg. Hierzu verweisen wir auf einen weiteren Beitrag, der in bijou veröffentlicht werden soll.

Noch eine Bitte: Es gibt einiges an guter, englischsprachiger Literatur zu polyamory und wir suchen Menschen, die Lust haben uns beim Übersetzen zu helfen, z. B. «The ethical slut» von Doosie Easton oder www.xeromag.com oder www.polyfamilies.com

Anne, Astrid und Marlies


Nürnberg sucht Leute für eine neue Bi-Gruppe!

Interessierte bei frank@bigaystammtisch. de zwecks Vermittlung melden!



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Ein Frühstück zu dritt

in Berlin

Hier ein kleiner Bericht über die wunderschöne Lesung unseres Buches «Frühstück zu dritt» am Samstag [8.4.2006, Anm. der Red.] in Berlin.

Lesung Ein Frühstück zu dritt
Wir, d.h. 19 der insgesamt 26 Autoren, trafen uns am Freitagabend am Rande Berlins. Viele von uns kannten sich noch nicht, und es war spannend, die Menschen zu den Geschichten kennen zu lernen, miteinander zu sprechen. Den Samstag benutzten wir, um die Struktur der Lesung gemeinsam zu erarbeiten. Das war viel mehr Arbeit, als ich angenommen hatte! Wer sollte welche Textteile lesen, wie schaffen wir es, das Ganze spannend zu gestalten und die Neugier der Zuhörer zu wecken? Ich fand es unglaublich beeindruckend, in welcher Atmosphäre unsere Gespräche stattfanden. Da war nicht mal ansatzweise eine persönliche Kränkung, ein Angegriffensein spürbar, wenn die Runde vorschlug, Textstellen zu kürzen oder lebendiger vorzutragen. Keinerlei Rivalitäten, wer wie viel lesen «darf» oder «muss». Nicht mal die Idee, nachzuzählen, ob womöglich mehr Heteros oder mehr Bisexuelle zu Wort kamen. Es war an den meisten Stellen so beeindruckend spürbar, dass die ganze Gruppe ein klares Gefühl dazu hatte, was «stimmt», was bewegt, berührt. Ich habe solch ein konstruktives Miteinander in einer Gruppe, von denen sich so viele nicht kannten, noch nicht erlebt. Vielleicht, so überlegten wir zwischendurch, kamen hier Fähigkeiten zum Vorschein, die generell nötig sind, um mehrere Beziehungen zu leben: zuhören können, bei sich bleiben, Eindrücke formulieren, Wünsche vortragen ohne Druck und Angriff.

Lesung Ein Frühstück zu dritt
Am späten Nachmittag fuhren wir ziemlich erschöpft und sehr aufgeregt in die Mitte Berlins, zur Buchhandlung Starick, wo die Lesung stattfinden würde. Der Inhaber dieser eher literarisch orientierten Buchhandlung ging ein ziemliches Wagnis ein, indem er eine Lesung mit unserem Buch arrangierte. Er konnte überhaupt nicht abschätzen, wie viele Zuhörer kommen würden und wie die Atmosphäre dann sein würde. Ein wenig fürchtete er wohl auch, mit solch einem provokativen Thema seine Kunden zu brüskieren. Wir alle waren froh, dass er seine Bedenken überwunden hat und sogar unserer Beteuerung glaubte, es würden ganz ganz viele Leute kommen. 120 Stühle wurden aufgestellt und wir zitterten innerlich, wie viele wohl besetzt würden. Alptraumbilder: womöglich sind nachher mehr Autoren als Zuhörer da.... Ein wenig fürchteten wir uns auch vor Zuhörern, die sich angegriffen fühlen und dann die ganze Veranstaltung sprengen könnten....

Es wurde dann tatsächlich rappelvoll!! Wir staunten über immer mehr Leute, die offensichtlich neugierig auf Erfahrungsberichte von Menschen waren, die in mehreren Beziehungen leben, und fühlten uns mal gar nicht mehr so sehr als Randgruppe.

Lesung Ein Frühstück zu dritt
Nach einer Begrüßung durch die Herausgeber Erhard und Bärbel lasen zuerst Heinz-Ulrich, Tina und Steffen Teile ihrer Texte. Die drei leben eine Dreierbeziehung und wohnen auch in einem Haus. Danach trug Andreas von der «Neuköllner Oper» in Berlin die, wie er sagte, «Nationalhymne aller Mehrfachliebenden» vor: Marlene Dietrichs «Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt....». Im zweiten Teil lasen drei Menschen Auszüge ihrer Texte, die ganz verschiedene Facetten unseres Themas zeigen konnten und auch in der Lage waren, bewegend vorzutragen. Erst Arnd, unsicher und wirklich witzig und sehr berührend in der Schilderung seiner Geschichte. Dann Roni mit einem frechen, erotischen Beitrag. Am Schluss Ralf, bodenständig komisch und sehr nüchtern zugleich. In der Pause sang Regula vom Anhaltinischen Theater in Dessau ein böses Lied über die Ehe von Georg Kreisler, auf den Punkt lustig und schmerzhaft genau formuliert, mitreißend vorgetragen. Als Abschluss gestalteten wir eine Art «Blitzlicht»: etwa 10 von uns Autoren, im Publikum verteilt, standen nacheinander auf und lasen ganz kurze, prägnante Passagen aus unseren Texten. Dadurch wurde die Unterscheidung zwischen «wir hier vorn» und «ihr da im Zuschauerraum» spannend und überraschend aufgebrochen. Wir sind unter euch! Wir sind überall!

Lesung Ein Frühstück zu dritt
Dann gingen wir Autoren nach vorn und freuten uns am herzlichen Applaus des Publikums: erleichtert, stolz, glücklich, bewegt. Erhard sprach dann die Einladung an die Zuhörer aus, noch zu bleiben und mit uns Autoren zu sprechen. Ich war ganz sicher, dass zwei oder drei Menschen vorsichtig auf uns zukommen und alle anderen ganz schnell gehen würden. Überhaupt nicht!! Über eine Stunde danach stand der ganze Laden immer noch voller Gruppen von Menschen, die angeregt miteinander sprachen.

Eine Lesung, die, wie Jürgen sagte, seine kühnsten Hoffnungen übertroffen hat. Es wurden 25 Bücher verkauft, das ist sehr viel für eine Lesung. Die Inhaberin, Frau Starick, bedankte sich am Schluss und sagte, sie habe ganz viel Liebe hier gespürt. Und das von einer ganz szenefernen Frau! Wie ihr vermutlich trotz meiner nüchternen Schilderung zwischen den Zeilen erkennen konntet, war es herrlich und wunderbar, anstrengend, aufregend, verunsichernd und lohnend.

Wie wir hörten, gibt es Ende des Jahres eventuell eine zweite Lesung in Hamburg, es gibt jemanden, der sich kümmert. Wir werden Bescheid geben, falls es dazu kommt.

Karin

Lesung Ein Frühstück zu dritt
«Ein Frühstück zu Dritt - Leben und Lieben in Mehrfachbeziehungen»

Herausgeber: Bärbel Schlender und Erhard Söhner Novum-Verlag, 14,90 Euro



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Der Beweis

dass es keine Heterosexuellen und Homosexuellen gibt

Die Überschrift dieses Artikels ist natürlich provozierend gemeint und soll zum Nachdenken anregen. Keineswegs sind die Gedanken in den folgenden Zeilen diskriminierend oder intolerant zu verstehen. Grundsätzlich soll sich jeder selbst so ausleben, definieren und fühlen, wie er oder sie es für am besten empfindet, solange man natürlich die Grenzen der anderen nicht überschreitet.

Dieser Artikel ist eine stark verkürzte Form. Die —den Rahmen der Bijou sprengende Langfassung kann man im Internet unter www.bigaystammtisch. de/beweislang.doc lesen. Er ist zwar leicht wissenschaftlich geschrieben, enthält aber wohl dennoch einige interessante Gedanken und beantwortet jedenfalls für mich endgültig die Frage, ob nicht jeder Mensch bisexuell ist.

Zu jedem vernünftigen Beweis gehören gewisse Voraussetzungen:

Voraussetzung 1: Gefühle kann man (logisch) erklären.

Viele Menschen, insbesondere gefühlsbetonte Menschen, die «aus dem Bauch heraus» handeln, schütteln ärgerlich den Kopf, wenn man sie mit dieser Aussage konfrontiert. Sie sind der Meinung, dass Gefühle und gerade Liebe etwas Irrationales sind, etwas Zauberhaftes, was man eben nicht erklären kann und sollte. Ich denke, diese Abneigung Gefühle zu erklären, kommt daher, dass man sich dann nicht mehr auf das Gefühl konzentriert, sondern es hinterfragt, den schönen Moment kaputt macht, zu rational wird und nicht einfach genießt, ohne nachzudenken. Das kann ich auch sehr gut verstehen, wenn man sich gerade wohlfühlt, verliebt ist, glücklich ist, alles schön ist! Warum soll man dann alles erklären und hinterfragen? Anders sieht es allerdings aus, wenn ein Problem vorhanden ist oder man jemanden verletzt oder gar verlässt. Oder wie in diesem Fall einfach Lust hat, darüber theoretisch nachzudenken!

Natürlich kann es manchmal sehr schwer sein, die Gründe für die Gefühle oder das Verschwinden von Gefühlen zu finden. Aber zu behaupten, es gäbe gar keine Gründe, es wäre einfach so, ist ignorant. Dann will die Person sich einfach nicht die Mühe machen, über den Verlauf nachzudenken. Gründe oder auch nur Indizien können vielfältig sein (gemeinsame Hobbys, Erlebnisse, Äußerlichkeiten, Gegensätzlichkeiten, Abenteuer, Diskussionsfähigkeit usw.) und sich teilweise sogar scheinbar widersprechen.

Voraussetzung 2: Wir reden über sexuelle Menschen, also Menschen, die einen Sexualtrieb haben.

Hände 1
Natürlich gibt es auch asexuelle Menschen (in letzter Zeit sogar organisiert unter www.asexuality. org/de), Menschen ohne Sexualtrieb, Menschen mit einem geringen Sexualtrieb und impotente oder frigide Menschen. Ob dies nun auch völlig normal oder nicht gesund sei, sei jetzt nicht weiter besprochen. Bei den Beweisen gehe ich davon aus, dass ein «gesunder Sexualtrieb» vorhanden ist, keine schlechten Erfahrungen oder Ängste den Sex überschatten.

Begriffsklärung

Die Welt lebt mit Definitionen, Schubladen, Kategorien und Bezeichnungen. Sie können Grundlage für Diskriminierungen und Starrheit sein, sie helfen uns aber auch, uns selbst zu finden und zu überlegen, was man möchte.

Für meinen Artikel definiere ich die sexuellen Orientierungen so:

Heterosexuell ist jemand, wenn er Liebesgefühle und sexuelle Gefühle nur für das andere Geschlecht empfinden kann. Homosexuell ist jemand, wenn er dieselben Gefühle nur für das eigene Geschlecht empfinden kann.

Bisexuell ist schließlich jemand, wenn er bestimmte Gefühle für das eigene Geschlecht und bestimmte Gefühle für das andere Geschlecht empfinden kann. Also ist jemand bisexuell, wenn er z.B. Männer und Frauen liebt, aber nur Sex mit Frauen hat. Jemand ist aber auch bisexuell, wenn er z.B. mit Männern und Frauen Sex hat, aber nur Männer liebt.

Der Begriff Liebe ist dabei schon sehr schwer zu fassen, Gefühle sind nicht eindeutig zu kodieren. Die Übergänge von freundschaftlicher Zuneigung zur echten Liebe sind schwimmend.

Beweis, warum jeder Mensch gefühlsmäßig bisexuell ist

Ein markanter Spruch der Bisexuellen ist: «Ich liebe Menschen und keine Geschlechter.» Und ich denke, das ist eigentlich schon alles, was man sagen muss. Schließlich liebt Der Beweis, dass es keine Heterosexuellen und Homosexuellen gibt! man einen Menschen in der Regel nicht nur auf Grund des Sexes mit ihm. Natürlich gehört Sex im Normalfall zu jeder dauerhaften Beziehung dazu. Aber dies ist ja nur ein Teil. Und ich will mich jetzt auf den Teil ohne den Sex beziehen.

Hände 2
Warum liebe ich einen Menschen? Ich liebe einen Menschen, weil er bestimmte Eigenschaften hat und mit mir auf eine bestimmte Weise in Kontakt tritt. Er redet auf eine gewisse Weise, bewegt sich, lacht, schimpft, diskutiert, erklärt auf eine einzigartige Weise. Er hat bestimmte Interessen, Abneigungen, Vorstellungen, Verhaltensweisen. Diese können nach alter Vorstellung besonders männlich sein oder besonders weiblich. Es gibt Männer, die stehen auf eher weibliche Frauen, sehr zierliche Frauen oder sehr kurvenbetonte Frauen, Frauen, die eher dem traditionellem Rollenbild entsprechen, vielleicht eher lieb und fürsorglich sind. Es gibt aber auch Männer, die stehen eher auf ein wenig burschikosere Frauen, mit kurzem Haarschnitt, mit einem eigenem Kopf, keiner Lust auf Kochen und Bügeln, Frauen, die eher frech und dominant sind. Es gibt auch Männer, die fühlen sich von Männern angezogen, die eher weibliche Züge haben, vielleicht ein wenig «tuntig» sind, sehr gepflegt und schlank sind oder von Blumen mehr Ahnung haben als von Autos und Fußball. Und es gibt Männer, die fühlen sich eher von wirklich männlichen Kerlen angezogen, also Männern, die behaart sind oder sehr dominant und bestimmend auftreten oder den Beschützerinstinkt haben. Und alles dazwischen existiert natürlich auch. Das gleich gilt dementsprechend für Frauen: Die einen mögen Machos, die anderen Softies, die einen Femmes, die anderen Butches (Femmes sind eher feminine, zierliche (lesbische oder bisexuelle) Frauen, währenddessen Butches eher maskulin oder kräftig sind).

Wenn ich aber mal über das Geschlecht hinweggucke oder mir vorstelle, ich verstehe mich wunderbar mit einem Freund oder einer Freundin. Man hat so viel Spaß, man lacht zusammen, unternimmt alles Mögliche, diskutiert, streitet sich, versöhnt sich wieder, hat eine tolle Zeit. Man freut sich, wenn es dem anderen gut geht, man sorgt sich um ihn, wenn es ihm schlecht geht. Man weiß genau, was der andere denkt oder fühlt. Man setzt sich keine künstlichen Grenzen, was man als Mann mit einem Mann machen darf oder was man als Frau mit einer Frau machen darf, und guckt sich auch einen romantischen Film gemeinsam an, kocht zusammen, bastelt am Motorrad rum, spielt Fußball im Dreck miteinander, seift sich gegenseitig in der Badewanne ein und umarmt sich. Sind das nicht Dinge, die man mit dem besten Freund oder der besten Freundin tun könnte? Wäre das nicht echt ne dicke tolle Freundschaft?

Oder darf ich das jetzt nicht, auch wenn es toll und schön wäre, weil Männer sich nicht gegenseitig umarmen und erst recht nicht «Händchen halten»? Weil Männer nicht mit Puppen spielen? Weil Männer keine Gefühle zeigen? Weil Männer keine Frauenaufgaben übernehmen? Weil Frauen keinen Männersport machen sollten? Weil Frauen eh nichts von Technik verstehen?

Wer diese rhetorische Frage doch mit ja beantworten will, lebt wohl im falschen Jahrhundert und hat noch nichts von Emanzipation gehört. Der versucht andere und auch sich selbst in Schubladen zu pressen, anderen und sich selbst vorzuschreiben, was man tun muss. Also kann das alles zu einer guten Freundschaft, ner tollen Beziehung, einer guten Partnerschaft gehören. Ja, wo ist denn jetzt noch der Unterschied? Vielleicht sind das die tollen Liebesgefühle? Doch entstehen nicht auch starke Gefühle, große Zuneigung durch gemeinsame Aktivitäten, tolle Momente, Romantik, Freundschaft und viel Spaß? Es ist natürlich auch die Art zu sprechen, die Art mit den Händen umzugehen, die Art mit den Augen zu zwinkern usw. Aber es gibt sowohl Männer, als auch Frauen, die das jeweils auf eine eher weibliche Art oder männliche Art machen. Ich will hiermit nicht die Grenzen zwischen den Geschlechtern verwischen, ich will nicht sagen, dass das Geschlecht austauschbar ist. Aber Liebes-Gefühle hängen nicht vom Geschlecht ab.

Ein Gedankenexperiment soll Folgendes sein: Wenn man sich vorstellt, dass man sich jedenfalls ansatzweise auch in einen anderen Menschen verlieben kann, den man noch nie vorher gesehen hat. Man schreibt sich nur oder chattet, wie es heute Gang und Gebe ist. Vielleicht hat man nie richtig nach dem Geschlecht gefragt oder hat auch noch nie darüber nachgedacht. Und trotzdem versteht man sich, und auf einmal ist da so ein Gefühl da. Oder man sieht einen Menschen von hin ten und denkt wow! Man weiß aber gar nicht genau — ist es nun ein Mann oder eine Frau?

Schließlich sind auf der anderen Seite die typischen Eigenschaften der Geschlechter auch beide reizvoll bzw. angenehm. Die meisten Frauen reden gerne mit anderen Frauen, finden, dass es so schön ist, miteinander zu quatschen. Die meisten Männer haben gerne einen guten Kumpel, mit dem man was trinken gehen kann oder über Autos oder Frauen reden kann. Viele Frauen haben einen schönen Körper, viele Männer haben einen markanten Ausdruck. Das macht doch beides das aus, warum man jemand anderen so mag, so begehrt, so liebt!

Natürlich gibt es noch andere Aspekte. So gibt es den Familiengedanken, der ja herkömmlich nur mit mindestens einer Frau und einem Mann vollziehbar ist, sonst gibt es ja keinen Nachwuchs. Das würde eher für eine heterosexuelle Lebensweise sprechen, wenn die einzige Alternative Homosexualität wäre. Wenn man es aber ursprünglich und von der Natur her betrachtet, so muss man sehen, dass in der Natur viele Herden existieren, wo nicht alle Tiere Nachkommen zeugen, andere nur mit in der Herde sind. Mal ganz abgesehen davon dass homosexuelles Verhalten auch bei Tieren normal ist

(vgl. «Homosexualität: War 'Flipper' schwul?» in der GEOWissen Nr. 09/00, http://www.geo.de/GEO/natur/tiere/287.html).

Beweis, warum jeder Mensch sexuell gesehen bisexuell ist

Zunächst einmal ist es völlig unlogisch, warum man als Mensch nur auf die Reize eines Geschlechts reagieren sollte! Der eigentlich hinkende Vergleich mit anderen Gebieten hinkt gar nicht so, wie behauptet wird: Eine Banane hat einen gewissen Geschmack, ein Apfel hat einen gewissen Geschmack. Die meisten mögen beides. Natürlich mögen einige den Apfel mehr, andere die Banane mehr. Manche mögen beides gleich gerne. Manche mögen beides auch nicht so gerne wie eine andere Frucht oder gar wie Vanille- und Schokoladeneis. Aber bei den Geschlechtern gibt es ja nur zwei Varianten (von anderen Betrachtungen in der Transgender-Forschung mal abgesehen). Und wenn wir davon ausgehen, dass man einen «gesunden Sexualtrieb» hat, bezieht er sich auf die beiden Geschlechter. Warum sollte man sich da prinzipiell auf ein Geschlecht beschränken? Meinen Kenntnissen nach gibt es kein Gen, welches sagt: Lust empfindet man nur, wenn man mit dem anderen Geschlecht Sex hat. Dieses Gen existiert nicht, höchstens Pheromone, die sexuelle Lust begünstigen.

Teil 1 - Beweis, dass jeder Mensch homosexuelle Anteile besitzt

Viele Menschen erleben schon in der Kindheit sogenannte «Doktorspielchen», bei denen das Geschlecht in der Weise sowieso keine Rolle spielt, was man darf oder nicht — man spielt durchaus auch mit allen zusammen. Da werden keine Unterschiede gemacht, allerhöchstens herausgefunden.

In der Pubertät erforschen viele Jugendliche dann ihre Sexualität mit dem eigenen Geschlecht. Das ist bereits allgemein bekannt, auch wenn es immer noch viele versuchen zu übersehen. Aber dass man zusammen mit dem eigenen Geschlecht den Sex erforscht, zeigt ja schon, dass jedenfalls gewisse homosexuelle Anteile nicht zu leugnen sind. Jedenfalls kann man sexuellen Spaß zusammen haben.

Wer keine ersten Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht sammelt, macht jedenfalls Erfahrungen mit sich selbst: Es wird masturbiert. Wer sich streichelt, sich sexuelle Lust selbst beschafft, an seinen Geschlechtsteilen spielt, was völlig normal und sowohl ein Teil der Entwicklung, als auch ein Teil einer gesunden Sexualität auch im späteren Alter ist, der empfindet also Lust an den Geschlechtsteilen seines eigenen Geschlechts. Es ist dann nur logisch, dass man mit den Geschlechtsteilen des eigenen Geschlechts auch lustvolle Vorstellungen verknüpft. Wäre man hundertprozentig heterosexuell, müsste es einem nicht gefallen oder völlig kalt lassen. Dass man seinen eigenen Penis oder seine eigene Scheide dabei aber noch gerne betrachtet, das kann nicht sein, wenn man wirklich heterosexuell ist. Aber verbindet man nicht automatisch angenehme Gefühle, wenn man etwas sieht und gleichzeitig schöne Gefühle hat? Müsste man dann bei einer offenen Einstellung nicht ähnliche Gefühle auf einen anderen Mann oder eine andere Frau übertragen? Ich denke schon. Das ist bei anderen Erlebnissen ganz genau so.

Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen bestätigen, dass sie es sexuell anregend finden, wenn ihr Sexpartner Lust empfindet. Dann muss es also doch auch anregend sein, jemand anderen des gleichen Geschlechts zu befriedigen. Man kann ja sogar die Gefühle sehr gut nachempfinden. Man weiß, wie sich das anfühlt, ganz genau.

Und wenn man jetzt noch über sexuelle Praktiken nachdenkt, dann gibt es viele Praktiken, die so oder so ähnlich mit beiden Geschlechtern möglich sind. Ja, man kann sogar zum Teil gar nicht unterscheiden, wer einem sexuelle Lust genießen lässt. Wenn man mit geschlossenen Augen Oralverkehr genießt, könnte es sowohl ein Mann, als auch eine Frau sein, die einen gerade verwöhnt. Wenn man sich gegenseitig streichelt, dann kann das ein Mann genauso gut wie eine Frau. Wenn man sich küsst, schließt man sowieso die Augen. Wenn man Analverkehr erlebt, dann spielt es für den aktiven Part doch keine Rolle, ob der andere ein Mann oder eine Frau ist — vielleicht von der Vorstellung her, aber sicherlich nicht vom reinen Sex.

Wer z.B. meint, dass er mit Männern nichts anfangen kann, weil viele Männer behaart sind, der hat keine Argumente mehr, wenn man über rasierte Männer redet. Und Analverkehr praktizieren nicht einmal alle angeblich Schwulen.

Hände 3
Wenn man nun schon eine sexuelle Aktivität mit dem eigenen Geschlecht lustvoll findet, ist es mit der hundertprozentigen Heterosexualität vorbei. So ist es nun einmal.

Teil 2 - Beweis, dass jeder Mensch heterosexuelle Anteile besitzt

Der ganz platte triviale Grund dafür, dass jeder Mensch nicht ganz homosexuell sein kann, liegt in der Natur des Menschen: Der Überlebenstrieb, der Fortpflanzungstrieb ist im Menschen drinnen, und so ist es nur natürlich, auch Lust am anderen Geschlecht zu finden.

Manche religiös verblendete Fanatiker behaupten, Sex wäre nur zum Fortpflanzen gedacht. Wer so etwas behauptet, hat nichts vom Leben verstanden. Viele Dinge in der Natur sind nicht überlebensnotwendig. Dann wäre die weibliche Klitoris eventuell nicht notwendig. Dann dürfte man sich auch nicht selbst befriedigen, Oralverkehr wäre zu unterlassen, man könnte Vergnügungsparks schließen, Musik bräuchte man nicht, und das Forschen können wir auch gleich lassen  ... . wozu Denken, Erfinden, Philosophieren, Sich Amüsieren, Experimentieren, Spaß haben?

Dennoch sind heterosexueller Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung miteinander verschlungen. Alles andere sind Spielformen, andere Lustformen, die man sich natürlich holen darf, solange alle Beteiligten Spaß dabei haben. Aber der eigentliche Verkehr hat ungehindert davon seine Berechtigung, ohne den wir ja nun alle nicht hier wären.

Und es ist eine Art Verschmelzung, eine Vereinigung, die mit einem Menschen, den man auch noch liebt, auch eine symbolische Funktion hat. Weiterhin kommt beim Mann der begattende Gedanke hinzu, es liegt in der Natur, seinen Samen weiterzureichen — diese Vorstellung ist sicherlich sehr ursprünglich, aber sie gehört auch zum Sex dazu. Ein Mensch ist zwar kein Tier, aber er ist auch kein triebloser Roboter.

Aber es gibt weitere Gründe. Der Mensch ist schließlich neugierig. Also will man doch auch das andere Geschlecht erforschen. Man hat die anderen Geschlechtsorgane nicht, also würde einem bei homosexueller Lebensweise auch immer etwas fehlen. Bei einer heterosexuellen Partnerschaft hat man immer beide Geschlechtsorgane zur Hand. Sex ist auch immer eine Erforschung, eine Wanderung, ein Abenteuer. Sowohl der Penis, als auch die Scheide haben sehr faszinierende Eigenschaften, die schon aus wissenschaftlicher Sicht bemerkenswert sind. Daran zu spielen muss einfach Spaß machen. Der Penis versteift sich, er verändert seine Form, reagiert stark auf Berührung, aber auch auf Vorstellungen seines Besitzers. Die Ejakulation ist ebenso ein komplexer Vorgang, der immer wieder faszinierend ist. Das ganze ist etwas Machtvolles, Starkes, Intensives, vielleicht auch Verbotenes, Aufregendes. Die Vagina dagegen hat etwas Geheimnisvolles, Frohlockendes. Sie verbirgt etwas Geheimnisvolles. Der Vorgang des Feuchtwerdens ist genauso wie die Erektion bemerkenswert. Eine heimliche, aber doch sehr bedeutsame Veränderung sorgt für unser Staunen. Die Aufnahme des Penis und Anpassung ist ein Prozess, der nicht ohne Grund erstaunlich ist, ein Wunder der Natur. Schließlich ist der Kitzler genauso wie die Eichel eine sehr empfindsame, wunderbare Stelle, mit der man spielen kann. Dazu kommt die Ästhetik von Vagina und Brüsten bzw. von Penis und Hodensack und außerdem von der Kehrseite. Männer wie Frauen haben eine erotische Ausstrahlung, können ästhetisch dargestellt werden. Und unverklemmte Leute bestätigen sofort, dass beide Geschlechter ihre schönen Seiten haben und für die Kunst geeignet sind. Wer nun aber von beiden Geschlechtsorganen begeistert ist, sie schön findet, Erregung mit ihnen verbinden kann, kann aber nicht hundertprozentig homosexuell sein.

Gründe für die Ablehnung von Bisexualität durch die Menschen

Es gibt in der Geschichte der Menschheit sehr viele kranke Entwicklungen: Diskriminierungen, fal sche Verfolgungen, Bekämpfung von Minderheiten, um von den eigenen Fehlern abzulenken sind keine Seltenheit. Denken wir nur an Sklaverei, Hexenverbrennung, heilige Kriege, Verbot von Onanie und anderes. Es ist echt lächerlich und peinlich, was sich manche Menschen ausgedacht haben, auch wenn man es im geschichtlichen Kontext sehen muss.

Ich finde es hochgradig krank, dass auch heute noch Leute versuchen, Homosexualität einzugrenzen, zu verdammen, zu bekämpfen oder zu bestrafen. Diese Leute haben aus den falschen Diskriminierungen anderer «Minderheiten» nach wie vor nichts gelernt. Die ganze Angst vor Homosexuellen manifestiert sich bei manchen Menschen in einer Homophobie. Sie finden in der Regel männliche Homosexuelle eklig und abstoßend. Diese Leute können in der Regel keine Gründe für ihre Abneigung äußern, es bleiben allgemeine Phrasen, die nur von inneren Gefühlen, die nicht zu erklären sind, beschrieben werden. Homophobe Menschen haben meist eine konkrete Vorstellung, wie Schwule sind. Es gibt da nur die Bären in Lederklamotten, die sich gierig auf einen armen kleinen Hetero stürzen, als hätten sie nichts anderes zu tun und würden jeden überfallen. Oder sie sehen nur extrem «tuntig» auftretende Typen, die schminkend über einen gackern. Natürlich gibt es solche Männer. Aber es gibt auch Frauen, die den homophoben Mann abschrecken.

Ekel gegen ein Geschlecht ist absolut unnatürlich. Wenn man Bisexualität als für sich selbst uninteressant einstuft, ist das ja vielleicht noch nachvollziehbar, aber wer es als eklig darstellt, ist irrational. Der Ursprung liegt wohl daran, dass die Männlichkeit, der Beschützerauftrag mit dem Gleichstellen mit anderen Männern in Frage gestellt werden könnte. Man dürfe sich als Mann ja nicht fallen lassen, nicht unterwürfig und schwach sein. Auf der anderen Seite ist immer wieder lustig zu beobachten, dass die weibliche Homosexualität nicht ernst genommen wird oder als Lustobjekt der männlichen Sexualität dargestellt wird. Wie viele Heten-Pornos gibt es, in der keine Lesbenszene zu finden ist? Das gehört einfach mit dazu. Weiterhin sind zwei Frauen, die sich küssen, schon immer etwas Erotisches gewesen, egal ob im Fernsehen oder in der Vorstellung des Mannes. Da würde kaum ein angeblich heterosexueller Mann «eklig» schreien. Wenn dann die Frauen aber mehr Gefallen aneinander finden als an einem Mann, dann wird das Weltbild des Mannes wieder zerstört, und er ist irritiert.

Die Geschichte zeigt, dass unsere Vorfahren schon leichtfertiger mit dem Thema der Bisexualität umgegangen sind. Im alten Rom war der Sex mit dem gleichen Geschlecht nichts Verwerfliches, sondern gehörte zum guten Ton. Wie man heutzutage die Zuneigung zur Knabenliebe wertet, steht vielleicht auf einem anderen Blatt, aber es war zu der damaligen Zeit völlig normal.

Die asiatischen Philosophien reden schon lange vom Mann in der Frau und der Frau im Manne. Wer kennt nicht das schwarz-weiße Symbol Ying-Yang. Es gibt halt keine hundertprozentig weibliche Frau, keinen hundertprozentigen männlichen Mann.

Und schließlich sei noch auf den anerkannten, wenn auch nicht unkritisierten Philosophen Freud hingewiesen, der schon im letzten Jahrhundert schrieb, dass jeder Mensch bisexuell sei.

Zum Schluss dieses Abschnittes sei noch angemerkt, dass auch das übertrieben homosexuelle Verhalten merkwürdig ist. Dies stößt auch manchen angeblichen Homosexuellen auf. Wer sich nur noch durch seine sexuelle Orientierung definieren kann und keine anderen Interessen hat, ist doch sehr eingeschränkt. Natürlich ist es wichtig, sich selbst zu finden und seine Identität zu akzeptieren und zu schätzen. Aber wenn der Stolz (im schwulen Jargon «Pride») soweit geht, dass man schon Heterosexualität als unnormal bezeichnet, Bisexuelle versucht zu diskriminieren und nur noch in der schwulen Szene und Welt lebt, dann ist man definitiv über das Ziel hinausgeschossen und ist nicht besser als ein verklemmter, spießiger Heterosexueller.

Frank

PS: Ich bin an einer Diskussion über diesen Artikel (bzw. der Langfassung www.bigaystammtisch.de/beweislang.doc) interessiert! Also schreibt an bijou@bine-web.de oder besser noch diskutiert im Forum mit: http://diskussion.bine-forum.de/



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Die Bi-Gruppe Hannover «Bi On Fire»

hat die Wochen ausgetauscht: Nun ist Treffen jeden 4. Freitag um 20 Uhr in der Fire-Bar, Knochenhauerstr. 34 und

Gesprächsrunde jeden 2. Donnerstag um 19.30 Uhr im Knackpunkt, Knochenhauerstr. 11

Kontakt: Anja, 0175-6772419,

info@bi-on-fire.de

www.bi-on-fire.de



Gegeben

Es ist dir gegeben, so zu leben, wie es dir gegeben, es ist dir gegeben zu nehmen, aber auch zu geben,

Drum leb dein Leben, wie es dir gegeben und lass von keinem es dir wieder nehmen!


Lass dich nicht von and`ren leben, das ist dir keinesfalls gegeben, sonst hast du selbst bald gar nichts mehr zu geben,

Verschwende nicht dein Leben an Dinge die dir nicht gegeben, nutze vielmehr dieses Leben, was dir einst gegeben, um dich zu freuen über Dinge welche dir gegeben!


Lauf nicht davon, vor einem Leben, welches dir gegeben, sondern greif nach den Gelegenheiten die sich dir geben, trinke aus den Quellen die durchfluten jenes Leben, das man dir gegeben!


Zerstör kein and`res Leben, denn das heißt nur Nehmen, niemals Geben, und das ist mitnichten dir gegeben!


Schenk Liebe deinem Leben, ja, das ist dir gegeben und empfange tausendfach zurück, was an Liebe du bereit warst abzugeben,

Erschaffe neues Leben, auch das ist dir gegeben. Sieh mit Freuden Wachsen jenes Leben, was du hast gegeben, und trag Sorge, dass auch dieses Leben leben kann, wie es ihm gegeben!

Maik Eisfeld



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Von Goldfischen

und anderen bisexuellen Filmen

Es gibt einen Film, den jeder Bisexuelle gesehen haben sollte! Nein, jeder sollte ihn gesehen haben! Denn schließlich spricht er jeden an, jeder erkennt sich bei den verschiedenen Szenen wieder und denkt: «Ja, genau! So war das bei mir auch! Ja, das kenne ich!»

Goldfisch 1
»You know, goldfish have only a three-second memory ...  That means if it takes three seconds to swim around the bowl, everything is new ...  Each time two goldfish meet, it's like the first time.

It's just like humans really. Each time we fall in love, it is if we are doing it for the first time.

Some kind of chemical reaction kicks in and wipes out the memory how painful the last heart break was  ...  and we think: Wow, this is great! This is new! This is different!»

Tom liebt Isolde, aber eigentlich ist er noch mit Clara zusammen. Nachdem sie ihn erwischt hat, kommt sie mit Angie zusammen, die dann aber eifersüchtig auf sie und Eddy ist. Derweil nähert sich David dem Fahrradkurier Red an, der ja eigentlich absolut schwul ist und nur einmal mit Angie abgestürzt ist, und wird von Rosie verlassen. Rosie will dann irgendwann Larry heiraten, wenn da nicht noch die Möwen wären. Inzwischen sind Isolde und Clara ein Paar, doch die einst so offene Clara wird auf einmal selbst eifersüchtig! Doch endlich finden Tom und Angie ihren Traumpartner, und alles wird gut — jedenfalls am Ende!

Goldfisch 2
Wer jetzt nicht ganz mitgekommen ist, wer mit wem wann wie zusammen ist, der sei getröstet: Der Film «Goldfish Memory» schafft ei Von Goldfischen und anderen bisexuellen Filmen nen Überblick, den man bei diesem Durcheinander gar nicht erwarten würde! Es spielt keine Rolle, ob man hetero, gay oder bisexuell ist. Diese Schubladen gibt es hier eigentlich gar nicht!

Die Dubliner Goldfische in diesem beschwingenden Film voller Alltagshumor, Romantik, schöner Bilder und wunderbarer Musik (der Soundtrack hat sich nicht ohne Grund schnell durchgesetzt) sind Frauen und Männer, die auf der Suche nach Erfüllung von Liebe und Leidenschaft sind. Man kann sich den Film immer wieder angucken, um einfach eine gute Stimmung zu bekommen, denn er ist einfach lustig und lebensbejahend! Eine Aufklärung für alle Verklemmten und ein Leckerbissen für alle Bisexuellen!

Goldfisch 3
Die DVD umfasst die englische Originalfassung, die auch sprachlichen Anfängern zumutbar ist, alternativ mit deutschen Untertiteln (eine sehr freie Synchronisation), einen Trailer, ein paar Infos und schließlich sogar den kompletten Soundtrack! Abschließend seien noch ein paar andere Filme rund um das Thema der Bisexualität erwähnt — mehr dazu vielleicht ein andermal (oder unter www.bigaystammtisch.de/bifilme. htm):

Frank


Das Copyright aller Bilder von «Goldfish Memory» liegt bei Pro- Fun Media.

Das Copyright der Filme liegt jeweils bei den Produktions- oder Vertriebsgesellschaften.



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In Hamburg seit bald 4 Jahren: Der Stammtisch für junge Bis & Friends —

www.bigaystammtisch.de
Treffen jeden 1. Samstag ab 19 Uhr im Max & Consorten, Spadenteich 7, 20099 Hamburg. Und seit 2006 jeden 3. Donnerstag 19 Uhr in wechselnden Locations. Viele Extra-Aktivitäten wie CSD-Stand, Bunter Abend zum Tag der Bisexuellen, Spieleabende, Kino, Sauna usw. Kontakt:

Frank, frank@bigaystammtisch.de



Bi-Horoskop

Teil 1
Bi-Stier

Diese ganz besonderen Horoskope sind 1:1 auf das wahre Leben umzusetzen und deswegen absolut ernst zu nehmen! Der vorherige Satz allerdings nicht!

Der Bi-Stier (21.4.-21.5.)

Zwei halbmondsichelförmige Hörner besitzt der Bi-Stier und ist so ganz horny auf beide Geschlechter. Seine Eifersucht ist aber eine Herausforderung für jeden, der nicht monogam leben möchte. Stierkämpfe findet er ganz toll, denn die Toreros sehen schon gut aus, doch bei falschen Liebes-Versprechungen von Heteros sieht er rot und spießt auf, was ihm in die Quere kommt! Noch schlimmer sind nur Kommentare wie, dass er sich nicht für eine Seite des Tuches entscheiden könne ...

Bi-Zwilling
Der Bi-Zwilling (22.5.-21.6.)

Wie im Ying-Yang vorgeschrieben hat gerade der Bi-Zwilling beide Geschlechter in sich: Mal zeigt er sich von seiner männlichen Seite und kann problemlos einparken, mal von der weiblichen Seite und kann Magenta von der Farbe Orchidee unterscheiden. Die männlichen Bi-Zwillinge schlüpfen mal gerne in Frauenklamotten, mal bevorzugen sie doch den Smoking. Die weibliche Zwillinge können sich permanent nicht entscheiden, ob sie lieber einen kurzen Lesben- Haarschnitt oder doch lieber die weiblichen 1-Meter- Haare tragen. In der Sexualität muss der Bi-Zwilling sich nicht entscheiden, sondern lebt beide Sexualitäten gerne aus.

Bi-Krebs
Der Bi-Krebs (22.6.-22.7.)

Gerade aufgrund der Formenvielfalt ist es sehr schwierig, starre Schubladen-Merkmale für den Bi-Krebs festzulegen. Es klafft eine große Schere zwischen den tatsächlich sexnimmersatten Krebsen, die arme Gay-Herzen auf dem Gewissen haben und zahlreiche Ehe-Krisen verursachen, bis hin zu den eher rein bi-emotionalen Flusstieren, die in den Bergen über ihre wahren Gefühle meditieren, ohne ihre Wünsche in die Realität umzusetzen. Eins bleibt ihnen aber alle gleich: die Sehnsucht nach dem ausgleichenden Wasser der Liebe!

Frank

Illustrationen von Nadja



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In Mainz gibt es den Stammtisch Bi-Oh-Logisch:

jeden 2. Freitag ab 21 Uhr in der Sichtbar, Hintere Bleiche 29, Mainz jeden 4. Freitag ab 20:30 Uhr Bi-Polit-Abend im «Taberna Academica», Uni-Mainz, Becherweg 5,

Kontakt: biohlogisch@web.de, Werner (Tel.:0611-598947), http://biohlogisch.q27.de


Dann gibt's noch die Bi-Gruppe Laatzen mit Gruppenabenden jeden 2. Mittwoch um 19:30 Uhr im Kontaktzentrum Kiefernweg 2, 30880 Laatzen Kontakt: Volker von Thenen, Tel.: 0511-4503571, bigruppelaatzen@aol.com, www.bisexuellengruppe-laatzen.de



Der Vorhang geht auf...

Und das Theater nahm seinen Lauf

Theater, Theater, sang einst Katja Ebstein und das Theaterspiel begleitet bereits seit Jahren die Treffen der BiNe.

Theater 1 Bild 1: Sabine und Andreas in den Proben zu «After Eight»

Bis zur Mitgliederversammlung im Mai 2002 in Göttingen hatte es bereits einige Aufführungen von Laien für ein erlesenes Publikum gegeben. Entstanden sind die Stücke wie Rotschamhärchen und andere spontan, improvisiert, entwickelt, einstudiert und aufgeführt auf Treffen. Die Darsteller, Intendanten, Aktiven waren Jürgen, David und jeder, der Lust und Zeit hatte, etwas zu zeigen, die Teilnehmer an den Treffen zu unterhalten.

Theater 2 Bild 2: Andreas und Jürgen im Maskenspiel

Sabine und Jürgen beschlossen, dem Theaterspielen einen festen Rahmen, eine Form zu geben, und hoben die Theater AG aus der Taufe.

Die Initiatoren: Jürgen (macht gerne Theater) und Sabine (Theaterpädagogin aus Leidenschaft)

Mitspieler: David, Gisela, Andreas, Gaby, Han, Andreas, Ulla, Corrie, Petra, Marlies, Simone, (Julia) und viele andere.

Helfer: Fabian, Hajo, Ulla, Peter, das Orgateam

Es gab ca. 3 Treffen pro Jahr, kreative, organisatorische und spielerische Sitzungen in Essen, Speyer, Frankfurt, Witten, Köln.

Theater haben wir schon lange vorher gespielt, doch erst Sabines eisernes Training an Form, Ausdruck, Stimme, ihre Geduld, wenn es mal wieder länger dauerte, hat uns das Gefühl gegeben, dass wir mehr können als einfach nur spielen. Wir lernten, mit und ohne Stimme darzustellen, uns auszudrücken und uns, im Jahr 2005, erstmals, im Rahmen der Gesundheitsmesse in Köln einem «offenen» Publikum zu zeigen. Und wir waren soooooooo gut, und wir hatten eine Message: «Safer Sex siegt».

Auf dem Weg dahin haben wir Theaterstücke entwickelt und aufgeführt, gelernt, geschwitzt, uns gestritten und vertragen. Einige Mitspieler kamen und gingen auch wieder. Andere blieben.

Erste Stücke ergaben sich spielerisch, wurden weiter entwickelt. Vielleicht erinnert ihr euch an das Spiel mit den Masken, aufgeführt im Waldschlösschen in Göttingen. Ohne Worte und mit viel Mimik und Gestik. Da gab es die Geschichte von Charlotte und ihrem Heteromann, die ich und Han in Butzbach aufführten, «Wohin gehst du», in verschiedenen Varianten. Unveröffentlicht ist der Kopf-Schwanz-Dialog, öffentlich aufgeführt und auf Video verewigt «Tripple S, Safer Sex siegt».

Das letzte und größte Projekt der Theater AG war das mit der Unterstützung von Patricia: Sie überließ uns das Manuskript und war uns nicht böse, dass wir es veränderten. Mit der Unterstützung einiger Mitglieder der Kölner Gruppe, dank des Fleißes aller Beteiligten, der Unterstützung des KISS (Köln) und der finanziellen Unterstützung der BiNe war es uns möglich, dieses Stück zu gestalten, auf vielen Arbeitstreffen einzustudieren und aufzuführen.

Theater 3

Bild 3: David, Andreas und Han, bei dem Theatertreff in Frankfurt

Mit Bedauern haben wir bei der Aufführung festgestellt, dass die ca. 40 bis 50 Zuschauer fast ausschließlich nicht zu unserer großen Bi-Familie gehörten.

Hallo ihr Uferlosen. Wo ward ihr??

Unsere Ziele waren es, nicht nur Theater zu spielen. Wir wollten nicht nur zur Unterhaltung auf den Treffen beitragen, zum Nachdenken, über das, was wir auf den Treffen mitbekamen, anregen. Nein, wir wollten eine «Bi-Botschaft» spielerisch in die Welt tragen.

Die Zeit, die wir aufgebracht haben, ist nicht verloren. Ich glaube, wir haben sie manches mal genossen. Wir waren —als wir anfingen, «unser Theaterspiel» zu gestalten, Workshops auf den Treffen anboten— traurig über die geringe Resonanz, die nur bei einzelnen erkennbare Bereitschaft, ihre Zeit und ihre Talente in die Theaterarbeit einzubringen, sehr traurig, enttäuscht.

Wir waren dagegen aber im Laufe der Zeit verwundert, wie viel wir mit den wenigen Teilnehmern erreicht und auf die Bühne gestellt haben.

Wir waren glücklich über die positiven Kommentare zu dem von uns Gezeigten. Und wir waren überwältigt über die Bereitschaft der Menschen, die mit uns unser «Grand Spektakel», unser «Trippel S», über Monate entwickelt, einstudiert und aufgeführt haben.

Theater 4

Bild 4: Simone, Jürgen, Peter, Julia, (?), Fabian, Sabine, Hajo, Marlies, Corrie, (?), nach der Aufführung des Triple S, auf der Gesundheitsmesse 2005 in Köln

Die ganze Welt ist ein Theater und nicht immer ist es ein Schwank. Leider ist es, dass sich viel zu oft individuelle Dramen abspielen. Wie sang einst Heinz Rühmann: «Der Clown, der Clown, der Clown, der ist gar lustig anzuschauen....», aber niemand schaut dem Clown in sein Herz hinein.

Das Licht geht aus, der Vorhang ist gefallen. Die Mitspieler verlassen die Bühne. Die Theater AG hat ihren Auftritt gehabt. Die Theater AG geht. Auf der Mitgliederversammlung, im April 2006, verabschiedet sie sich und geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Danke an alle, die mit mir/mit uns spielten, stritten, weinten, zitterten, lachten und uns all das ermöglichten.

Danke, besonders dir, liebe Sabine. Ich habe viel von dir gelernt.

Und ich? Die ganze Welt ist ein Theater, und ich bin ein Teil davon, ein Clown.

Der Vorhang ist gefallen und das Licht geht AUS.

Jürgen



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Bremen

bietet seit letztem Jahr wieder eine sehr aktive Bi-Community mit Bi-Gruppe jeden 2. Donnerstag im Monat um 20 Uhr im Rat & Tat Zentrum, Theodor-Körner-Str. 1, oben im Gruppenraum und Bi-It-Café jeden 4. Donnerstag im Café Kweer, gleiche Adresse. Weitere Aktivitäten: Bi-Warm-Up-Partys

Kontakt: Bi-Gruppe-Bremen@web.de


Die Münchner Bi-Gruppe «bi-muc»

trifft sich jeden 3. Montag ab 19:30 Uhr im Café Glück, Palmstr. 4, 80469 München und hat eine eigene Diskussionsgruppe! Kontakt: Ralf (Tel.: 089-12710510),info@bi-muc.de, www.bi-muc.de



Das Safer-Sex-Schlampen Projekt

Eine Idee, die einfach nicht sterben will

Das SaferSexSchlampen-Projekt, kurz «Triple S» genannt, entstand im Jahre 2004 in Meschede aus einer spontan zusammengesetzten Arbeitsgruppe (mit Patricia, Volker, David, Maria u.a.) und mündete in der Aufführung des ersten Bausteins im Rahmen des Bunten Abends . In zwei darauffolgenden Treffen wurde das Drehbuch geschrieben und der Soundtrack zusammengestellt.

Es handelt sich um ein ca. 50minütiges lustiges, ernstes und teilweise auch etwas makaberes Theaterstück, welches sich aus (bisher sechs) Bausteinen zusammensetzt, die je nach Kombination an verschiedenen Orten als Aufklärungsprojekt zum Thema «Safer Sex» aufgeführt werden können. Die Zusammensetzung ergibt sich aus der «Belastbarkeit» und dem Alter des Publikums. Zum Beispiel würden in einer Disco andere Sequenzen gezeigt werden als an einer Schule, und wieder andere auf einer AIDS-Gala.

Eine breite Streuung der Aufklärungsarbeit wäre wünschenswert, allerdings hat sich herausgestellt, dass die praktische Umsetzung im BiNe- Rahmen sehr schwierig und für Treffen außerhalb (aufgrund unserer bundesweiten Verteilung) kaum Zeit vorhanden ist.

Deshalb würde ich jetzt gerne mit einem Videoprojekt beginnen, um die Arbeit erst einmal sichtbar zu machen.

Die (im Gegensatz zu uns «Schlampen» wesentlich diszipliniertere) Theater-AG hat das Stück auf Anfrage der Veranstalter bei den Kölner Gesundheitstagen 2005 leicht modifiziert uraufgeführt und gezeigt, dass es interessiertes Publikum dafür gibt.

Ebenfalls tragen die periodisch immer wieder auftauchenden Medienberichte über den Verlauf von HIV und das vor allem in der jüngeren Generation wieder nachlassende Schutzbewusstsein dazu bei, dass ich diese Idee nicht einfach begraben möchte, bevor sie richtig gelebt hat. Das Beispiel der SaferSexSluts aus den USA, die auf der IBIS schon vor 10 Jahren zu sehen waren und von welchen es auch eine etwas freizügigere Aufzeichnung in Vivians Videosammlung gibt, ist mein großes Vorbild, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir so etwas auch in Deutschland zustande bringen könnten.

Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn Ihr einen kleinen Teil Eurer Spiel-Lust, die Ihr zu den BINE- Treffen immer mitbringt, an dieses Projekt spenden könntet.

Patricia



BSDS — BiNe sucht die Superschlampe

Frivole Schlampen, schleimige Viren und eine DHIVA für Safer-Sex-Videoprojekt und Theaterproduktion gesucht!
Unsere Schlampe

Die Drehbücher (oder einzelne Bausteine daraus) können vorab zugeschickt werden, damit Ihr Euch eine Wunschrolle aussuchen könnt.

Die Besetzungsliste sieht folgende Rollen vor:



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«Fessle mich!»

Sinnliche Erkundungen und kundige Grenzüberschreitungen

Der kommende Workshopevent «xplore 2006»

Bridge Markland ist eine Meisterin. Im Gebrauch ihrer Zunge. Und deshalb lässt sie Neugierige teilhaben an ihrer Zungenkuss-Karriere: Wer ihre sinnlichen Wortjonglagen kennt —Der Text/Bildband «Stripped» ist bereits 2000 im Konkursverlag erschienen—, darf gespannt sein, wie man sich dem Thema Zungenfertigkeit noch nähern kann. Sie, die sich virtuos in ihren Performances vom Mann zur Frau verwandelt, mit Witz und Charme stets jenseits Varieteé- Glitter-Shows, offeriert ihre Kunst als einer von 42 Workshops innerhalb der xplore 2006 vom 28.- 30. Juli 2006.

«Extreme Sinnlichkeit - sinnliche Extreme» verspricht die xplore Berlin auch in ihrem dritten Jahr allen neugierigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Es geht um kreative Formen Sexualität zu leben, um die Freiheit, Grenzen zwischen erotischen Spielarten zu verflüssigen. Es geht um Rituale und ästhetisch-inszenierte Aspekte von Sexualität.

Federführend sind Felix Ruckert und Caprice Dilba. Felix Ruckert - der als Choreograph bekannt ist, in seinen Tanztheaterstücken die Grenzen zwischen Zuschauern und Tänzern auf sinnlich-intelligente Weise zu überschreiten- ist mit der Konzeption der ersten xplore im Jahr 2004 in die Schlagzeilen geraten. Selbst für Berlin zu brisant unter dem Namen und der Förderung von Kunst, explizite Workshops anzubieten wie «Spanking», «Spiele mit Nadeln», «Orgasmatron» oder «BDSM und Performance».

Zugegeben - kontrovers diskutierte Inszenierungen machen mich neugierig.

xplore-Plakat

BDSM? Mir persönlich zunächst ziemlich fern. Sinnliches Erleben verfeinern und spielerisch zu entdecken klingt tatsächlich äußerst verlockend.

2005 war ich dabei. Es lockten Workshops mit Themen wie «Haut» und «Bisexuelle Abenteuer» (Felix Ruckert) oder «Sexuelle Phantasien: Geschlechter/Rollentausch» von Dorothea Seror - bei der sich vieles im Dunkeln abspielt und die auch in diesem Jahr wieder dabei sein wird.

Denn: Sexualität als Teil theoretischer Reflektion, innerhalb therapeutischer Arbeit oder - und in vielen Fällen muss da ein «und» stehen - mit ausdrücklich ästhetischen Absichten prägen auch 2006 alle Angebote innerhalb des Wochenendes.

Roza A. Bliss bietet «Massage für Frauen» an - im letzten Jahr hat mich ihre zarte, einfühlsame Art und ihr tiefes inneres Leuchten sehr berührt. Die eher kargen Räumlichkeiten waren mit Vorhängen abgedunkelt, Kerzen und Klangschalen, Tücher und Federn mit denen frau ihre Massagepartnerin angeleitet verwöhnen konnte. Ich fühlte mich nach einer Stunde aufgetankt wie nach einer Woche Urlaub und tief berührt. Die Teilnehmerinnen erkannten sich auch eine Stunde später noch leicht: Rote Wangen, ein schwebender Gang und eine tiefe Zufriedenheit - so wunderschön war es nach Samt, Seide und Federn ein nur von der Luft ausgebreitetes Kaschmirtuch auf der Haut im Abschlussritual der Massage zu spüren.

In diesem Jahr auch mit dabei: Matthias T.J. Grimme (Redakteur «Schlagzeilen») führt in die Kunst des «Erotischen Schreibens» ein, und Thomas Lohmann zeigt als Neotantriker Männern sinnliche Massageformen. In manchen Workshops wird nach Geschlechtern getrennt, in anderen nicht. Ohnehin ist das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Teilnehmern ausgewogen.

In den Pausen bleibt viel Raum für offene Gespräche mit anderen Teilnehmern.

Ich lerne mehrere aktive BDSM- Menschen kennen und entdecke im Gespräch, dass Hingabe und Vertrauen die Leitthemen sind über die Szeneschubladen hinaus. Mir fällt positiv auf: Weder überwiegen die esoterisch geprägten Batikhosen und Saris, noch Lack- und Leder-Fetischklamotten. Bei den Workshops begegnet man sich überwiegend in bequemen Stoffhosen und T-Shirts. Zur Abschlussparty im Berliner Dark Side Club hingegen dann - wie gewünscht erotische Kleidung: Lack, Leder, Spitze und Corsagen. Schwarz dominiert. Aufregend die Atmosphäre, viele sind zum ersten Mal in einem Club. Es sind Menschen, die neugierig sind und mutig. Vielleicht auf der Suche ihre Grenzen auszuprobieren. Fühlen wie es ist, kunstvoll gefesselt zu werden, mit Hingabe zu experimentieren. genießen und einfach Spaß zu haben, egal welcher Szene man sich nun zugehörig fühlt. Genau jenes szeneübergreifende Gefühl nehme ich mit nach Hause und - diese ganz besondere Energie.

«Frisch verliebt?» fragte mich eine Freundin, als ich zurückkam aus Berlin.

Ich grinste. «Und? Wer ist es?» fragte sie. «Niemand bestimmtes. Ich selbst. Glaub ich.»

Claudia

www.xplore-berlin.de

Weitere Links zu den Leitern der Workshops:

Felix Ruckert: www.felixruckert.de

Caprice Dilba: www.sensualsinners.de

Bridge Markland: www.bridge-markland.de

Roza A. Bliss: www.lachende-yonis.de

Thomas Lohmann: www.gaylovespirit.de

Hinweis:

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Und dann war da noch ...

— Letzte Worte dieser Bijou —
Nächstes offenes bundesweites BiNe-Treffen für Bisexuelle:

30.09.-03.10.2006 im Waldschlösschen bei Göttingen

Kontakt: http://www.bine-web.de/kontakt/index.php?an=orga&betr=Bi-Treffen

Impressum

Redaktion:

Frank(bijou@bine-web.de)

Layout:

Martin (martin@breuer-cartoon.de)

Freie Mitarbeiter:

Anne, Astrid, Claudia, Corrie, Jürgen, Kai, Karin, Maik, Marlies, Mila, Patricia, Petra

ViSdP:

BiNe e.V., Maik Eisfeld, Oststraße 25, 99994 Schlotheim / Thür.

Bildnachweis:

Das Copyright der Bilder in dieser Ausgabe liegt, wenn nicht anders vermerkt, bei den Autoren.

Illustrationen: S. 40/41 - Nadja, S. 1, 3, 15, 20, 47, 52 - Martin.

Das Bild vom Kölner Dom auf Seite 11 kommt von: http://www.biologie.de/biowiki/Bild:Kölner_Dom.jpg

Das Copyright aller Bilder von «Goldfish Memory» liegt bei Pro-Fun Media.

Kid mit Laptop

Das Copyright für das Polyamory-Logo auf Seite 21 konnte nicht festgestellt werden - falls mit der Abbildung irgendwelche Rechte verletzt worden sind, war das nicht beabsichtigt und der / die RechteinhaberIn wird gebeten, sich mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

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So ist das.







Wünsche und Anregung zu dieser Darstellung von bijou 20 im Internet: Hartmut@bine-web.de



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