
Ihr könnt etwas über die Aktivitäten, die BiNe e.V. unterstützt oder selbst durchführt, erfahren - teilweise etwas historisch, aber dennoch interessant und nicht weniger aktuell! Da ist die letzte Mitgliederversammlung im April 2006, die Theater- AG von BiNe e.V., der CSD Hamburg Juni 2005 mit Bi-Stand, der CSD Köln Juli 2004 und das BiNe-Frauentreffen August 2004. Des weiteren ist auch das Behinderten-Projekt RAR und die neue Polyamory-AG interessant.
Wer es etwas theoretischer mag, guckt in den Beweis, dass alle bisexuell sind. Wer dagegen lieber Kurzgeschichten liest, liegt beim Formwandler und dem Outing richtig.
Andere Medien werden durch das Buch Ein Frühstück zu dritt und den Film Goldfish Memory repräsentiert.
Am Ende gibt es noch ein Bi-Horoskop, letzte Worte, schließlich den ganz kurz vor Redaktionsschluss eingetroffenen Bericht von der xplore Berlin, und dann noch den nach Redaktionsschluss eingetroffenen Artikel über die Safer-Sex-Schlampen.
Also müsste für jeden etwas dabei sein — Informatives, Theoretisches, Unterhaltsames, Amüsantes — für Bisexuelle und auch andere Interessierte!
Frank im Mai 2006

Große Erwartungen waren es nicht, die ich an das BiNe-Konzeptseminar stellte, was vom 7.-9.4.06 in Butzbach stattfinden sollte, als ich mich auf den Zielort zu bewegte. Angesichts der Tatsache, dass ich im Zusammenhang mit BiNe-Treffen schon so manche herbe Enttäuschung verkraften musste, nicht der schlechteste Vorsatz.
Seit 9 Jahren nun nehme ich regelmäßig an BiNe-Treffen teil, auch auf Konzeptseminaren war ich schon zugegen. Das Novum an diesem Treffen: Erstmals sollte die Mitgliederversammlung (MV) im Rahmen eines Konzeptseminars stattfinden. Bisher wurden diese ja stets während des Frühjahrstreffens abgehalten. Dem Votum der MV von 2005 wurde damit genüge getan.
Dass es sich um ein intensives Arbeitstreffen handeln würde, stand von vorn herein fest. Keine Party, keine LOBBI, keine Wohlfühl- Workshops, geht das überhaupt?
Wird das nicht öde und langatmig?
Diese Befürchtung meinerseits sollte sich bereits während des Auftaktabends am Freitag in Luft auflösen.
Die Teilnehmerzahl wurde auf 25 Personen reduziert. Gekommen waren all jene, die auch in der Tat arbeiten wollten. Der harte Kern der Aktiven einmal, aber auch ein paar neue Gesichter, das ließ Hoffnung in mir aufkeimen.
Die MV nahm den größten Teil des Samstag in Anspruch. Die Hoffnung, diese rasch abzuwickeln, sollte sich nicht erfüllen. Doch es zeigte sich bald, dass die intensiven Diskussionen durchaus sinnvoll und von Nöten waren.
Neben den für eine MV üblichen Punkten wie Vorstands- und Kassenbericht etc. wurde mit viel Engagement über die Zukunft von BiNe debattiert. Über allem schwebte die Frage: Wie soll es mit dem Verein weitergehen? Wie sehen unsere Visionen aus? Wo sollen Schwerpunkte der Arbeit in Zukunft verankert werden? Angesichts der noch immer prekären finanziellen Situation nicht gerade leicht zu beantwortende Fragen.
Mit ca. 150 Mitgliedern hat BiNe eine recht solide Basis. Neuzugänge und Austritte hielten sich in etwa die Waage, ein kleiner Lichtblick. Ein Teil der Regionalgruppen arbeitet auf lokaler Basis auch weiterhin aktiv. Schade, dass sich die Theater- AG auflöste, aber vielleicht ist noch nicht aller Tage Abend.

Ich erinnere mich schon, des öfteren in solchen Teams gesessen zu haben. Leider vermochte es bisher jedoch keines dem Bijou für längere Zeit neues Leben einzuhauchen. Doch der Unterschied zu früheren Versuchen zeichnete sich schnell ab. Wir legten uns nicht auf einen Zeitplan fest, wollen alles ruhig und mit Augenmass angehen. Auch wurden die Zuständigkeiten bedeutend besser verteilt. In mir wuchs die Zuversicht, dass wir es dieses Mal schaffen können.
Was die Arbeit des Vereins selbst betrifft, herrschte Einmütigkeit darüber, BiNe besser in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Durch das Ausgliedern der MV sind wir nun in der Lage 2 offene Treffen im Jahr anzubieten. Es wird sich zeigen, welchen Anklang diese Möglichkeit findet. Auf diese Weise können aber auch neue Mitglieder gewonnen werden. Kontrovers wurde die aufgeworfene Frage diskutiert, ob wir auf unseren offenen Treffen externe Referenten zulassen. Das wurde nicht ausdrücklich ausgeschlossen, wenn auch der altbewährten Form der Workshopanbieter der Vorrang einzuräumen ist. Ausgeschlossen wurde mit großer Mehrheit die Nutzung der BiNe- Treffen für kommerzielle Veranstaltungen.
Gewürdigt wurde die gelungene Neugestaltung der Internetseiten.
Als das Konzeptseminar am Sonntag abgeschlossen wurde, lag ein arbeitsreiches Wochenende hinter allen Beteiligten. Ich stellte mit Freude fest, dass ich nicht der einzige war, der mit guten Eindrücken nach Hause zurückkehren sollte.
Der Weg nach Butzbach hatte sich auch dieses Mal gelohnt.
Maik Eisfeld
BiNe-Vorstand
Das Zimmer ist geräumt, mein Blick schweift über das Tal hinüber zu den Hügeln (sorry - als eine Frau aus Bayern kommend, ist alles, was unter 2000 Meter ist, ein Hügel). Das Frauenhaus liegt wunderbar. Meine Gedanken schweifen um mein erlebtes Wochenende mit der Frauengruppe der BiNe. Tiefe warme Gefühle erfassen mein Herz. Ja, wie wohl fühlte ich mich in den vergangenen Tagen, seit ich angereist bin. Es war eine kurze Verweildauer, und ein tiefer Seufzer macht sich breit. In kurzer Zeit werde ich nun bald ein letztes Mahl mit den Frauen einnehmen und mit neuen Erfahrungen, Gefühlen und Wissen kehre ich in meine Welt zurück. Tiefe Eindrücke und Erinnerungen werden mich begleiten.
Ich fühle nach, wie ich aufgeregt zum Empfang kam und nach meiner Zimmergenossin und unserem Zimmer fragte. Glücklich es gefunden zu haben, dort meine Tasche auspackte. Noch orientierungslos und die Frage «was mich erwartet»? Ich werde von ihr aufs herzlichste begrüßt und freue mich, ich bin angekommen. Ich erkenne einige Frauen von dem offenen Treffen der BiNe. Wir essen gemeinsam zu Abend, doch eine gewisse Spannung bleibt in mir erhalten. Das Plenum ist informativ, ich erfahre Details über die Abläufe des Wochenendes, Workshops und Gesprächrunden. Beim «Kennlernspiel» suchen sich die braunen Augen zusammen, ich habe doch grünbraune. Ja, doch da gibt es einige und so findet sich eine Gruppe und es ist locker und entspannt. Es gibt kein Eis zu brechen, ich fühle mich schon sehr wohl. Bei der gemeinsamen Sternzeichensuche erschrecke ich, nur zwei Krebse, doch Familienmenschen? Hm, ich denke kurz darüber nach und lache über mich selbst.
Es geht zur Gesprächsrunde der Neuen. Ich lerne weitere Frauen kennen und erfahren über die verschiedenen bisexuellen Stammtische der einzelnen Städte und auch deren Aktivitäten.
Ein toller Höhepunkt schließt das Liebesgedichte lesen untermalt von entspannender Musik im Kuschelraum mit liebevoll miteinander umgehenden Frauen den ersten Abend ab. Ich fühle mich aufgenommen. Meine Anspannung ist völlig verschwunden.
Ich schlafe selig ein und schlafe wohl und träume wunderbar in der ersten Nacht meines ersten Frauentreffens. Am Morgen werde ich von meiner «Mitschläferin» liebevoll geweckt. Hecktisches Treiben in den Duschräumen, dafür entspanntes Frühstück. Ich bin stolz über meinen Mut, mich in den Workshop der «weiblichen Ejakulation» eingetragen zu haben, und aufgeregt bin ich.
Frohen Mutes gehe ich zum Plenum. Oh je, danach geht es los, mit sehr gemischten Gefühlen gehe ich zum Workshop. Die Workshopleiterin erklärt liebevoll die Details und interessante wissenschaftliche Erkenntnisse über die Möglichkeit der weiblichen Ejakulation. Und natürlich wie wir das in die Praxis umsetzen können, was wir dann auch tun. Ich wundere mich über meine eigene Gelassenheit und die Erklärung ist schnell gefunden, es ist die Einfühlsamkeit von der Workshopleiterin und einen anderen Frau, die mithalf, die mir so meine Befürchtungen nehmen. Ich lasse mich ein und vertraue mich der Führung meiner Partnerin an. Ich erfahre viel über mich und meinen Körper und fühle mich danach sehr wohl. Ich bin tief berührt und nach dem Mittagsessen spüre ich das Erlebte mit einem sehr warmen und einem sehr sanften Gefühl nach. Eine Gesprächsrunde mit dem Titel «let's talk about Sex», erweckt ein weiteres Mal meine Neugierde. Eine heitere und unglaubliche Offenheit über die all so umfassende Unendlichkeit der Sexualität macht die Runde, und ich bin ein zweites Mal erstaunt. Was für ein Wochenende!
An diesem Tag ist dann die Party mit dem Motto «Handwerkerin» der Abschluss dieses tollen und mich persönlich stimmigen Tages. Nun das wagte ich nicht wirklich zu erwarten.
Die Nacht war kurz. Der
nächste Tag dafür ruhig, mit
gemütlichem Frühstück,
abschließendem Plenum, ein Zusammenkommen mit
wunderschönen Entspannungserlebnissen. Eine
Feedbackrunde.........! Ein für mich absolutes vollkommenes
Wochenende. Ein großes Dankeschön dem
«Orgateam» der
Frauen der BiNe! Gut, dass es so was gibt und mir die
Möglichkeit gab, meinen Horizont weiter zu öffnen und
Gefühle, die sich in mir verbargen, damit ans Licht konnten.
Mila aus Regensburg
Ich bin Corrie, Eure neue
Kontaktperson für
«Bi mit Handicap».
Zu meiner Person: Bin 41, Spastiker und schwul. Jetzt fragt ihr Euch:
«Was macht denn der bei
BiNe?»
Tja, mein Freund ist bi und war
damals bei BiNe e.V. Mitglied.
Außerdem habe ich letztes Jahr in Köln eine Gruppe
gegründet für «Schwule, Lesben,
Bisexuelle und Transgender mit Behinderung mit und ohne
Partner». Sie trägt den Namen
«RAR — RICHTIG AM
RAND».

In der Szene sind Behinderte
nicht gern gesehen.
«Schön, jung, fit und
dynamisch» ist hier angesagt. Wer diesem
Ideal nicht entspricht, guckt oft in die Röhre. Und unter
Behinderten sind es gerade LGBT's, die besonders
anecken. Hier ist besonders
«in», wer
möglichst
«normal» ist. Wer
da nicht mithalten kann, stört, wird nicht ernst genommen und
erfährt Ausgrenzung in verschiedener Form.
Mehr Infos zu RAR gibt's unter http://www.richtigamrand.de
Corrie
In meinem Leben hatte ich 3
Liebesbeziehungen:
Die erste, da war ich 19 Jahre
alt, ich stehe dazu, dass ich mich zum
gleichen Geschlecht hingezogen fühle
... mein erster Freund sagte mir bereits
am Anfang, dass er nur mit mir zusammen sei, weil ich ja nicht in der
Lage bin, mich allein zu befriedigen ...
womit Er ja auch so Recht hatte ... Nun
war es vorauszusehen, dass Er mich verlassen würde, dies
geschah dann auch nach einem Jahr ... Er
lernte eine Frau kennen, und ich fühlte mich so verletzt von
ihm, weil es bei mir Liebe war ... bei
ihm nicht ...
Meine zweite Beziehung hatte
ich mit 36 zu einem Pastor
... doch Er sagte immer zu mir, Er
könne mich nicht lieben, denn seine Liebe gehört
einzig und allein Gott ... Er
erwähnte noch, das ich doch glücklich sein solle,
dass mich überhaupt jemand nehmen würde
...
Sicher
hatte auch Er auf seine Art Recht, immerhin hatte ich 15 Jahre
keinen Menschen getroffen, der mit einem behinderten Menschen eine
Beziehung führen würde. Da ich eine große
Sprachbehinderung habe, denken viele, dass ich auch im Kopf nicht klar
wäre ... leider ein falscher
Schluss ... und doch nachvollziehbar aus
meiner Sicht.
Mein Selbstbewusstsein ist sehr
stark, und ich wollte mich dadurch auch
nicht unterkriegen lassen ... so gab ich eine Annonce in einer
Schwulenseite im Internet auf! Das Feedback war: 4 Leute meldeten sich
... wobei 3 absolute Spinner waren, die
beim ersten Treffen erst gar nicht erschienen
... sie hatten wohl Angst oder nahmen
mich nicht ernst ...
Der 4. jedoch hatte mich von
Anfang an *umgehauen*
... nach 2 Wochen erst hatten sich die
Gefühle bei ihm entwickelt ...
doch das Schönste, was Er mir sagte, waren nur 3 kleine Worte
mit enormer KRAFT ... und die ich in 39
Jahren noch niemals gehört habe
...
... Ich Liebe Dich
Vom 2. bis zum 4. Juli fand dieses Jahr [2004, Anm. der Redaktion] in Köln der CSD unter dem Motto «Schluss mit den Mogelpackungen» statt.
Aber war
diesmal nicht der ganze CSD —aus
kommerziellen Gründen zum ColognePride umbenannt- eher eine
reine Mogelpackung?
Es machten sich zwar trotz des
unbeständigen Wetters
Hunderttausende zum Event auf,
30 000 Leute auf circa 80 Wagen
und in
Fußtruppen nahmen an der abschließenden Parade am
Sonntag teil, und natürlich fehlten auch die Bis (diesmal
wieder mit niederländischer Unterstützung) nicht.
Dennoch fragten sich hinterher
viele »
Ist das noch unser Fest»?
Auch seitens der Organisation
für den Bi-Infostand wurde
mangelnde Kooperation mit den Veranstaltern beklagt. So erfuhr man
schließlich erst einen Tag vor der Veranstaltung, wo der
Stand aufgebaut werden sollte ...
Schade fanden einige ebenfalls,
darunter auch ich, dass das politische
Forum anscheinend immer kleiner wird und an dessen Stelle immer mehr
Fressbuden und Bierstände treten -wobei ja selbst
Kölsch, das muss ich zugeben, dem Immi und dem Dazugereisten
irgendwann gut schmeckt.
Sollten wir alle eine
«Back-to-
your—roots-Bewegung»
anstreben, wie Fabian von uns Kölner Uferlosen meint? Oder
sollten wir uns eher der Akzeptanz großer Firmen, wie Ford,
Konzernen wie West oder Sendern wie RTL und WDR 4 freuen, die vor
Jahrzehnten nicht unter diesem Motto mit auf die Straße
gezogen wären, als der Kölner CSD-Umzug noch aus 150
und nicht 30 000 Teilnehmern bestand?

Ich würde mir beides
-also mehr politisches Bewusstsein auf
dem Fest und noch mehr Akzeptanz von großen und kleinen
Firmen, sowie von großen und kleinen Bürgern-
wünschen.
Und am Rande bemerkt: Wer
dieses Jahr beim
«rosa Karneval»,
wie die Kölner sagen, nicht dabei war, dem bleibt auf jeden
Fall der CSD am ersten Juliwochenende 2005, denn nicht nur das
«Wasser vun
Kölle», sondern auch das
«Fiere in .Kölle is
jot!»*
Petra
*Für
Kölschunkundige: In Anlehnung an ein
Karnevalslied ist nicht nur das Wasser von Köln, sondern auch
das Feiern in Köln gut!
R.: «Der CSD wirkt
wie eine Veranstaltung zur
Verbreitung von
Zwangshomosexualität!»
C.: «Der
Normalbürger muss [vor Betreten
der Tanzfläche] erst die Schwellenangst überwinden,
sich in das sehr schön und ausgelassen feiernde Ghetto hinter
den Strohmatten zu begeben.»
F.: «Ich finde es
blöd, dass unser
Fest' von Outsidern benutzt wird, um
Werbung zu machen.»
C.: «Kommerziell war
es doch die letzten Jahre
schon immer, und besonders die Tanzbühne am alten Rathausplatz
war geil.»
Offenes Bi-Treffen jeden
1.Montag 20-22 Uhr /
Bi-Themenabend jeden 3.Montag
20-22 Uhr /
Bi-Café
jeden Montag ab 19 Uhr im Gruppenraum, Bürgerzentrum Ehrenfeld
(BüZe),
Venloer Str. 429, 50825 Köln
Weiterhin Bi-Stammtisch jeden
3. Samstag ab 20 Uhr im
Café am Bauturm, Aachener Straße 24
Und viele andere
Pläne!
Kontakt:
info@uferlos-online.de,

Beim CSD 2005
waren wir
noch
besser vertreten als letztes Jahr.
Während wir im letzten Jahr mit einer anderen Gruppierung
einen Stand geteilt haben, haben wir dieses Jahr 2 eigene
Stände erhalten. Einen für unsere Jung-Bi-Vertretung
(bis 36 Jahre bzw. wer sich noch dazugehörig fühlt,
www.bigaystammtisch.de)
und einen für darüber hinaus
(http://
people.freenet.de/bi-treff-mhc).
Dem Leiter der Hamburger Jung-Bi-
Gruppe, Frank, möchte ich an dieser Stelle recht herzlich
danken, da er sozusagen der Motor der Aktion gewesen ist. Frank, David,
Christoph und ich waren fast während des gesamten Zeitraums
vertreten. Frank hatte auch eine Fußgruppe für den
Umzug gemeldet und wir waren auf unser Banner mit BiNe-Logo, Slogan
«Bi free!» und
Internet-Adressen mächtig stolz. Zeitverschoben sind wir dann
mit 7 Leuten offiziell gelaufen -ein paar nicht organisierte
«Anhänger»
gesellten sich auch dazu. Stellenweise erhielten wir Applaus von denen,
die am Straßenrand standen. Wir haben auch fleißig
Flyer verteilt.
Unsere
Stände
wurden
gut frequentiert; durch
Banner, Filmplakate, BiNe-Logo-Wimpelreihe, Flipcharts, Prospekte,
Broschüren, Karten, Flyer, Comics, Bijous,
Literaturverzeichnisse usw. konnten wir uns gut
repräsentieren. Der absolute Anziehungspunkt war unser
Glücksrad mit kleinen Geschenken. Nette Diskussionen
darüber, wie hoch wohl die Bi-
Dunkelziffer ist, und andere netten Themen machten den Einsatz recht
gut erträglich. Leider hatten wir dieses Jahr mit dem Wetter
nicht so Glück gehabt.
Dafür
hatten wir
einen
superguten Standort -zwischen Würstchen- und Bierbude, vor
einem REWE-Laden und einer Gaststätte, wo wir
freundlicherweise viel über Nacht lagern konnten und in
unmittelbarer Nähe der AIDS-Hilfe mit preiswerten Snacks und
warmer Stube sowie kostenfreier Toilettenbenutzung. In Räumen
der AIDS-Hilfe fanden auch Interviews statt, die über den
Hamburger Lesbisch-Schwulen (auch hier habe ich angesprochen, dass die
Bis leider bei der Namensgebung unter den Tisch fallen) Radiosender
ausgestrahlt worden sind. An dieser Stelle ist jeder herzlich gerne
aufgerufen, sein Interesse für Beiträge beim
Radiosender zu bekunden. Über Veranstaltungshinweise und
anderer Öffentlichkeitsarbeit freut sich der Sender www.
pinkchannel.de.

Witzig
war: Unsere
ältesten Interessentinnen waren eine Dame
um die 80 mit Kopftuch, die still und leise unseren Flyer mit
Internet-Adressen eingesteckt hatte, und eine Dame um die 70 -auch mit
Kopftuch-, die sich freute, dass es so was heutzutage ja endlich
gibt...
Christoph
hat zur
Erinnerung
ein paar Fotos gemacht, die zum Teil hier
zu sehen sind.
Es wird
sich zeigen,
wie viel
Resonanz nun bei den Stammtischterminen
sein wird. Schließlich wurden als Hauptpreise auch ein paar
Freibiere ausgegeben, die man nur beim Stammtisch einlösen
kann.
Auf dass
wir
nächstes
Jahr unsere Aktivitäten noch
toppen können und viel Besuch aus ganz Deutschland und der
Welt bekommen...
Grüße
an
alle, die mich kennen und mich noch kennen
lernen wollen!
Marlies
Mit einer Bekannten fuhr ich
auf eine große Sommerparty aufs
Land. Nach zuviel Arbeit, zuviel Gejammer von aufdringlichen
SchülerInnen und Studierenden mit unrealistischen
Ansprüchen und zuviel Streit mit dem Kollegium wegen Termine
und zweckloser Schulpolitik nahm ich sehr gerne die Einladung entgegen.
Ich musste unbedingt aus dem Mist raus. Ansonsten wäre mir das
Gefühl von Dreck und Nutzlosigkeit über den Kopf
gewachsen.
Dort auf
der Party
lernten wir
uns kennen. Als Formwandler hatte er/
sie/es so die Möglichkeit, in jeder auch denkbaren Form
aufzutreten. An diesem Abend saß auf dem Sofa ein bunter
Drache mit flimmernden Schmetterlingsflügeln, scharfen
Eckzähnen und langer roter Zunge. Seine winzigen Schuppen
glänzten und glitzerten bei jeder Bewegung wie eine lebendige
plastische Diskokugel. Licht, Glitzern, Farbe, so sah dieses
wunderbare, dieses ja zauberhafte Wesen aus.
Mit
unverkennbar
interessiertem Blick musterte mich die märchenhafte Figur
lange und genau. Entzückt setzte ich mich neben das
Traumgeschöpf und fragte sofort nach dessen Personalien.
«Sag
mal, wie
heißt Du denn?? Du bist
nicht von hier, oder??»
Dann
musste ich kurz
kichern.
Logisch hätte es
überhaupt gar nicht sowas geben können, ich meine,
kommt doch Leute, auf einer Party im Umland von Berlin hockt ein
Drache??
Insofern
so einer
Gestalt ein
kleines Lächeln
möglich ist, grinste sie, schielte sie kurz blinzelnd auf
mich. Mit übertrieben kehliger, doch zugleich zischender
Stimme, wo die Audiozusammensetzung gar nicht menschlich wirkte,
sondern vielmehr knurrende dämonische Tonbilder hervorrief,
fragte die Glitzerfigur ganz frech, «warum machst
Du mich so schamlos an?» Ich sagte voll
überrumpelt u. überfordert die Wahrheit, dass ich
noch nie mit einem so geil aussehenden Drachen selbst das geringste
Gespräch geführt hätte, und ich wollte mal
gucken, was da so auf mich zukommt.
Interessiert
wollte
das
Geschöpf mal wissen, wieso ich dermaßen hemmungslos
mit einem dermaßen auffällig märchenhaften
Wesen überhaupt dermaßen Kontakt aufnehmen
möchte?? «Ansonsten hätte ich
schon längst diese Party als hoffnungslos langweilig
abgeschrieben», meinte der Drache. Echt
angetan erzählte ich kurz über meine Arbeit und wie
sich denn vor so einem Hintergrund die Anwesenheit eines Drachen auf so
einer Schulparty erklärt.
«Ach
ja? Was
meinst
Du denn
damit?» knurrte u. zischte die
märchenhafte Form mit einer halben Drehung des
Oberkörpers in meine Richtung. Durch die geschmeidige Bewegung
spannten und glätteten sich wieder wie im Relief die Sehnen
und Muskeln auf diesem Oberkörper. Die Mischung von Interesse
u. Interessantsein haute mich gleich um. Ich war verzaubert. Denn ich
fand die doppelte Wirkung so unwiderstehlich, dass ich mich auf der
Stelle gehen ließ, um ungewöhnlich viel u. spontan
über ziemlich alles zu labern, was mir zum Thema Kunst und
Geschichte eingefallen und durch Erfahrung aufgefallen war.

Offensichtlich war die Antwort genau richtig. Denn ab dem Moment versank um mich, um den Drachen herum sonst die Party total.
Logisch
wollte ich
über die Herkunft und Geschichte der
Traumgestalt informiert werden. Mit der Zeit drängte sich in
meiner Verwunderung doch noch die Frage auf, ob in dieser nach
außen gerichteten Zusammenstellung auch noch ein bisschen die
traditionellen emotionalen Fähigkeiten eines Drachen
mitmachen?? Hatte er z.B. die Geduld und Ironie, die im
überlieferten Bild des Drachen beide als Hauptmerkmale
hervorstechen??
Meine
Fragen dazu
brachten das
Glitzerwesen anscheinend total aus der
Fassung.
«Wieso
stellst
Du mir
solche geilen
Fragen?» wollte es wissen.
«Bis jetzt habe ich noch nie die Erfahrung
gemacht, dass sich ein Mensch ernsthaft auf so eine Form wie diese hier
einlässt. Ihr seid Euch Eurer einfach zu sicher, dass Ihr je
sowas wie einen Drachen hättet ernstnehmen können.
Deshalb pflege ich in meinem Umgang mit Menschen üblicherweise nur speziell die
Formen, wo's überhaupt noch
geht», behauptete es
rätselhaft.
Also
hauten wir uns
auf einer
super aufregenden
Fragen- und Erzählebene ziemlich gegenseitig um. Denn weder
ich noch die Märchengestalt wären anscheinend von
alleine auf solche Fragen gekommen. Doch unsere gegenseitige
Beschäftigung miteinander beflügelte uns gegenseitig.
Langsam
griff diese
Energie
wundervoll auf andere Ebenen über.
Wir flirteten ganz schamlos miteinander und wussten beide ganz genau,
dass uns schon in Kopf und Körpergefühl
Küsse, Worte, Haut, Duft, Denken, Wärme, Weiche,
Schärfe, Stärke, Schwanz, Geschmack, Gedanken, hmmmm,
so eine aufpowernde Mischung von Erregung und Entspannung rumschwirrte.
Wir wussten, dass wir miteinander das alles und vieles mehr
ausprobieren wollten.
Auf der
winzigen
Tanzfläche tanzten wir
zu geiler Raggae- und Diskomusik. Wann ich zum letzten Mal getanzt
hatte, wusste ich wegen sich anscheinend ganz von alleine
anhäufender Arbeit wirklich nicht mehr ... neee, das stimmt
nicht, sondern diese Betäubung kam vor allem wegen meiner
zunehmenden psychischen Beschäftigung mit der
Scheißarbeit. Woher die Leute auf der Party die Musik hatten,
war mir nicht klar. Doch sie setzte Energien frei, durch die
anscheinend allerseits altgespeicherte Bilder vergangener Tanzaktionen
wieder ins Gedächtnis, ja ins Leben gerufen wurden. Nicht nur
mich, sondern auch die Traumgestalt schienen Musik und Tanzen voll zu
aktivieren. Nicht nur ihre Hände und Arme, sondern auch noch
ihre Flügel fassten mich an, umschlangen mich, begehrten mich.
Doch nicht nur auf mich, sondern auch von mir strömte Hitze
und heiße Energie auf den Drachen zu.
Ich badete
die ganze
Zeit in seiner Glut, in seiner Wärme. Es war zunächst
so komisch, dann aber wirklich geil, dass ein Drache, so ein
Schuppentier, Wärme abgibt.
Meine
Bekannte von der
Schule
hatte schon von alleine geschnallt, was da vor sich geht, und befreite
mich grinsend von jeder Verpflichtung, ihr auch auf der
Rückfahrt Gesellschaft zu leisten. Sie ist echt klasse.
Logisch
flog ich auf
dem
gepanzerten Rücken zum Drachen nach
Hause. Es wunderte mich aber total diese Fähigkeit, sowohl die
entsprechenden körperlichen Kräfte und
Fähigkeiten als auch die Form nachzumachen. Wo findet aber
letzendlich so ein Wesen im Umland von Berlin einen angemessenen
Unterschlupf?? Ich war gespannt, wie es sich so eingerichtet hatte. War
vielleicht forwandlertechnisch ein Wirrwarr verschiedenster
Überbleibsel zu erwarten??
Die
Plastik des
Unterschlupfs
hatte
ich nicht erwartet. Einen ehemaligen Wachturm an der Südgrenze
zum ehemaligen Westberlin hatte der Drache ergattert u. so
eingerichtet, dass in jedem Zimmer der Raum anders wirkt. Die Bilder im
Wachturm waren so zusammengewürfelt, dass ich mich an vielen
Ecken überhaupt nicht orientieren konnte und an anderen
Stellen nur sehr schwer. «Was ist denn das hier
für ein geiles Mobile?», fragte
ich erstaunt vor einer Hängeinstallation, die sich langsam
anscheinend von alleine drehte, abwechselnd helle und dunkle Teile
zeigte und unregelmäßig und in wechselnder
Tonhöhe einen leicht klirrenden Klang von sich gab. Aus der
Antwort wurde ich nicht klug, weil ich noch nie vom Dschungelvolk in
dessen Zeitrahmen gehört hatte, von dem der Drache sprach.
Soweit ich weiß, weiß von diesem Volk weder die
überlieferte Geschichte, noch die Geschichtswissenschaft auch
das Geringste.
«Weißt
Du,
das finde ich
an Dir einfach umhauend», verriet mir
die Glitzerfigur. «Diese Mischung von Neugier u.
Aufnahmebereitschaft ist mir noch nie begegnet. Bis jetzt haben mich
die Menschen entweder aus Angst vergöttlicht, umgekehrt
eingekerkert oder sie haben mich verspottet, ausgelacht und verjagt. Es
gab aber schon immer zwischen Ehrfurcht u. Spott eine abgrundtiefe
Kluft. Nur bei Dir scheint's nicht so.
Wieso nicht?»
Tja, kann
es sein,
dass
auf der Phantasielandschaft in meiner Arbeit auch der Umgang mit einem
Drachen Platz findet, sogar ausgerechnet dort Kontur annimmt? So
sieht's aus, denn für mich
wirkte der Drache nicht als Wunder, sondern vielmehr als wundervoller
Spaß.
Ich
hatte eine letzte Frage. Was macht die
Zusammenstellung, sobald sich der Formwandler inmitten der
körperlichen Ekstase von der eigenen Formsteuerung
loslöst?? Oder, lautet die Frage nicht eher, ob sich das Wesen
je von der eigenen Formsteuerung loslöst??
Wir hatten überhaupt
nichts ausgemacht, doch ich wusste, dass
ich ihn, ich hatte ihn schon längst ziemlich als ihn
verstanden, seine Form, seine Sprache, seinen Blick auf mich
unwiderstehlich fand und dass er mich genauso scharf fand.
Zu fragen blieb schlussendlich
nur noch, wie man überhaupt als
Mensch erotisch mit einem Drachen umgeht?? Mann-O, wie sollte ich denn
ja mit Zähnen u. Krallen klarkommen?? Meine starke Vorliebe
zum Oralen zeigte sich sofort als .... tja, Anmacherei hoch 2. Meine ganze breite Oralpalette aktivierte
ich, stellte ich womöglich auf Reaktionen ein, die vielleicht
von den normalmenschlichen abweichen. Alles, was ich sowieso soooo
gerne mit dem Mundwerk mache, kam im Grunde überall auf dem
etwas weich gepanzertem Körper sehr gut an. Ich erwartete
gespannt eine wachsende Ausbuchtung oder vielleicht andersrum eine
besondere Öffnung, ohne zu wissen, wie dies sich zeigen
sollte.
Nicht
überraschenderweise
gibt's offensichtlich beim Drachen
zugleich beides, also hatte ich nach kurzer Zeit total die Wahl, wie
wer in wen wenn überhaupt eindringt. Nur dieses
Ineinanderdringen hatte dann für mich eine besondere
Bedeutung, weil ich zeitgleich mich in ihm und ihn in mir
spüren wollte. Phantasie?!? Mit einem Formwandler
müsste ja aber letztendlich alles möglich sein. Seine
Reaktionen auf meine Ganzkörperfixierung sagten mir eher, dass
er nur begrenzt mit solcher Einfühlsamkeit Erfahrung hatte.
Erstaunlich ist's manchmal, wie wenig
sich die Leute - hier im übertragenen Sinne - selber kennen.
Je einfühlsamer ich wurde, desto weicher wurden die Gestalten,
die das Märchenwesen nach und nach durchlief. Bald war die
nach außen getragene Bestimmung von Atem, Krallen, Schuppen
und Form vorbei.
Die paar Tage Auszeit wirkten
so, als wäre ich voll in ein
Märchen voller Farbe, Blitze und Wärme abgetaucht.
Kai
hat
nun auch eine eigene Website:
www.sdck.de
Jeden zweiten Monat gibt es ein
offenes Treffen am 3. Freitag um 21 Uhr
offenes Treffen im
«lokus»,
Marheinekeplatz 4, 10961 Berlin, U7 Gneisenaustraße.
Darüber hinaus gibt es geschlossene Treffen und viele Aktivitäten!
Kontakt: Ralf, ralf@sdck.de
Die Sonne schien auf sein
blondes Haar. Daniel stand in der knallharten
Sonne und tippelte von einem Fuß auf den anderen.
Nervosität, Aufgeregt sein, Erregung, Unsicherheit, Vorfreude,
Angst, Trance, Spannung und die Sucht nach Freiheit! Was er genau
fühlte, konnte er nicht sortieren. Und ob nun die positiven
Aspekte überwogen oder ob es genau andersherum war oder ob
sich alles die Waage hielte, er konnte es nicht sagen. Doch
darüber machte sich der junge Mann gar keine Gedanken. Der
große Moment stand bevor! Würde er es wagen?
Würde es gut ankommen? Würde man ihn so akzeptieren,
wie er ist? Wäre es in Ordnung, dass er beides mag? Oder
wäre es ein großes Drama? Leben wir noch in einer
unaufgeklärten, befremdlichen Welt, in der man sich an etwas
anpassen muss, was keinen Sinn ergibt? Oder ist alles völlig
normal? Nichts Besonderes?
Der Bus kam endlich, befreite
Daniel aus dem eingeengten Alleinsein,
dem Warten auf die Weiterentwicklung, der Befreiung aus den
Zwängen der Heimlichkeit. So stieg Daniel in den Bus und fuhr
nach Hause, um endlich das zu offenbaren, was er nie wieder
verheimlichen wollte. Es war soweit, und nichts könnte ihn
mehr aufhalten! Oder doch? Nein, irgendwie ist es jetzt so, und da muss
man durch. Und irgendwie wird es danach ja sowieso weitergehen. Es ist
wie bei einer Prüfung. Am nächsten Tag ist alles
vorbei. Und dann ist alles so, wie es eben ist. Man kann dann nicht
mehr die Zeit zurückdrehen, und deswegen muss man sich auch
nicht zu viele Gedanken darüber machen. Man macht eben, was
man kann.
Daniel holt sein Portemonnaie
aus der Hosentasche, sucht nach einem
Bild und guckt es genüsslich an. Er ist so knackig. Einfach
zum Anbeißen. Es ist unglaublich! Daniel kann die Augen nicht
von ihm nehmen, am liebsten würde er seine Lippen jetzt an
... . nein, nicht jetzt! Sollen die Leute
zwar denken, was sie wollen, ihn mit dem Bild in der Hand sehen, von
hinten guckt bestimmt eine alte Omi irritiert. Aber das macht ihm
nichts — er steht dazu! Und um auch zu
präsentieren, dass er nicht so einseitig ist, sich nicht durch
äußere Normen auf einen Teil der Begierde
beschränkt, holt er jetzt auch noch das zweite Bild heraus,
das Bild dass Sie zeigt. So schön ist Sie, so zart und mit
tollen Rundungen, so geheimnisvoll und lieblich. Auch auf sie will er
nicht verzichten. Ach, ist es schön, so zu sein, wie man ist!
Der Bus ist da. Jetzt
heißt es Aussteigen und zur Tat
schreiten! Daniel geht forschen Schrittes und pochen
den Herzens zum Haus seiner Eltern. Seine Schwester ist auch da. Er
klingelt, öffnet zitternd die Tür, ja, er
hätte gar nicht klingeln müssen.
«Simone, Eltern,
kommt Ihr mal
her?»
Oh Mann, jetzt muss es raus!
Der Schritt ist gemacht, und es gibt kein
Zurück mehr!
«Ich muss Euch was
erzählen!»
Alle gucken gebannt auf ihn.
Jetzt muss es raus, ja es geht nicht
anders. Tief Luft holen, und vorbereiten, Augen zu und durch, auf die
Plätze, fertig ... . und jetzt
geht es ... . na?
... . ja, der alles entscheidende Satz
fällt: »Ich bin
... . ich
... . ich will
... . ich mag
... . ich
... . ich mag sowohl eine Birne, als auch
einen Apfel! Ich mag sie beide, beide
Früchte!»
Eine Sekunde, zwei Sekunden,
drei Sekunden
... . die Zeit verrinnt, und gleichzeitig
bleibt alles stehen, kommt zum Stillstand oder jedenfalls fast! Das
Schlagen der Uhr klingt wie ein Hämmern! Es ist eine Ewigkeit.
Nichts passiert. Alles steht unter Spannung.

Frank
Als Marlies, Astrid und ich auf
der Mitgliederversammlung am 8.
April 2006 den Vorstoß machen, dass sich eine Arbeitsgruppe
bei BiNe mit dem Thema Polyamory beschäftigen
könnten, gab es eine Menge fragende Gesichter in der Runde:
«Was ist Polyamory
eigentlich?»
«Polyamorie (von
englisch Polyamory) ist die
Praxis, mehr als eine liebevolle Beziehung zur gleichen Zeit zu haben,
mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten
Partner. Die angestrebten Beziehungen sind langfristig und
vertrauensvoll angelegt.» So jedenfalls
definiert es Wikipedia und dort kann man noch sehr viel mehr
Wissenswertes erfahren.
Wir drei nutzen die
deutschsprachige Mailingliste für
Menschen, die Mehrfachbeziehungen anstreben (www.polyamory.ch), und
haben dabei festgestellt, dass es viele Bisexuelle auf der Liste gibt.
Bei einem Treffen von Listenmitgliedern in Hamburg am 1. April haben
Marlies und ich besprochen, das Thema in die Mitgliederversammlung von
BiNe zu tragen, da ein Teil der Bisexuellen (natürlich nicht
alle — es gibt auch viele monogame
Bisexuelle) so leben möchte oder darüber nachdenkt.

Denkbar scheint uns ein
Gesprächskreis, in dem wir unter
Einbezug kreativer Dynamiken über folgende Themen nachdenken
könnten:
Austausch von Erfahrungen
«wie stehe ich zu
Mehrfachbeziehungen»
— «welche
Lebensformen sind bekannt»
— «welche Barrieren
können auftauchen»
— «wie können diese gelöst werden» -
«Visionen und
Utopien»...
Falls erwünscht, Informationen
zum Begriff
«Polyamory»
(Entstehungsgeschichte, Listenhinweis, Links, Literatur...).
Wenn Interesse besteht,
könnten wir in einer zweiten Session auf Themenschwerpunkte
wie «Eifersucht in
Mehrfachbeziehungen»
— «Umgang mit Safer
Sex» —
«Nähe und
Distanz»
— «Netzwerke,
Großfamilien, Kommunen und andere Utopien des
Zusammenlebens» usw. eingehen.
Als zweiter Teil wäre auch ein
praktischer Workshop (Körperarbeit, Meditation, kreative
Methoden, Gruppendynamiken ...) zum Thema vorstellbar.
Wir freuen uns über
Anregungen und
Themenvorschläge!!!
Zeitgleich zu unserer
Arbeitsgruppenarbeit fand in Berlin eine
Autorenlesung zum Buch «Ein
Frühstück zu dritt»
statt. Viele der Autoren kommen aus unseren
«Bi-Reihen». Die
Lesung war ein voller Erfolg. Hierzu verweisen wir auf einen weiteren
Beitrag, der in bijou veröffentlicht werden soll.
Noch eine Bitte: Es gibt
einiges an guter, englischsprachiger Literatur
zu polyamory und wir suchen Menschen, die Lust haben uns beim
Übersetzen zu helfen, z. B. «The ethical
slut» von Doosie Easton oder
www.xeromag.com oder www.polyfamilies.com
Anne, Astrid und Marlies
Interessierte bei frank@bigaystammtisch. de zwecks Vermittlung melden!
Hier ein kleiner Bericht
über die wunderschöne Lesung
unseres Buches «Frühstück zu
dritt» am Samstag [8.4.2006, Anm. der
Red.] in Berlin.


Es wurde dann
tatsächlich rappelvoll!! Wir staunten
über immer mehr Leute, die offensichtlich neugierig auf
Erfahrungsberichte von Menschen waren, die in mehreren Beziehungen
leben, und fühlten uns mal gar nicht mehr so sehr als
Randgruppe.


Eine Lesung, die, wie
Jürgen sagte, seine kühnsten
Hoffnungen übertroffen hat. Es wurden 25 Bücher
verkauft, das ist sehr viel für eine Lesung. Die Inhaberin,
Frau Starick, bedankte sich am Schluss und sagte, sie habe ganz viel
Liebe hier gespürt. Und das von einer ganz szenefernen Frau!
Wie ihr vermutlich trotz meiner nüchternen Schilderung
zwischen den Zeilen erkennen konntet, war es herrlich und wunderbar,
anstrengend, aufregend, verunsichernd und lohnend.
Wie wir
hörten, gibt es Ende des Jahres eventuell eine zweite Lesung
in Hamburg, es gibt jemanden, der sich kümmert. Wir werden
Bescheid geben, falls es dazu kommt.
Karin

Herausgeber: Bärbel Schlender und Erhard Söhner Novum-Verlag, 14,90 Euro
Die Überschrift
dieses
Artikels ist natürlich
provozierend gemeint und soll zum Nachdenken anregen. Keineswegs sind
die Gedanken in den folgenden Zeilen diskriminierend oder intolerant zu
verstehen. Grundsätzlich soll sich jeder selbst so ausleben,
definieren und fühlen, wie er oder sie es für am
besten empfindet, solange man natürlich die Grenzen der
anderen nicht überschreitet.
Dieser Artikel ist eine stark verkürzte Form. Die
—den Rahmen der Bijou sprengende
Langfassung kann man im Internet unter www.bigaystammtisch.
de/beweislang.doc lesen. Er ist zwar leicht wissenschaftlich
geschrieben, enthält aber wohl dennoch einige interessante
Gedanken und beantwortet jedenfalls für mich
endgültig die Frage, ob nicht jeder Mensch bisexuell ist.
Zu jedem
vernünftigen
Beweis gehören gewisse
Voraussetzungen:
Voraussetzung 1:
Gefühle kann man (logisch) erklären.
Viele Menschen,
insbesondere
gefühlsbetonte Menschen, die
«aus dem Bauch
heraus» handeln, schütteln
ärgerlich den Kopf, wenn man sie mit dieser Aussage
konfrontiert. Sie sind der Meinung, dass Gefühle und gerade
Liebe etwas Irrationales sind, etwas Zauberhaftes, was man eben nicht
erklären kann und sollte. Ich denke, diese Abneigung
Gefühle zu erklären, kommt daher, dass man sich dann
nicht mehr auf das Gefühl konzentriert, sondern es
hinterfragt, den schönen Moment kaputt macht, zu rational wird
und nicht einfach genießt, ohne nachzudenken. Das kann ich
auch sehr gut verstehen, wenn man sich gerade wohlfühlt,
verliebt ist, glücklich ist, alles schön ist! Warum
soll man dann alles erklären und hinterfragen? Anders sieht es
allerdings aus, wenn ein Problem vorhanden ist oder man jemanden
verletzt oder gar verlässt. Oder wie in diesem Fall einfach
Lust hat, darüber theoretisch nachzudenken!
Natürlich kann
es
manchmal sehr schwer sein, die
Gründe für die Gefühle oder das Verschwinden
von Gefühlen zu finden. Aber zu behaupten, es gäbe
gar keine Gründe, es wäre einfach so, ist ignorant.
Dann will die Person sich einfach nicht die Mühe machen,
über den Verlauf nachzudenken. Gründe oder auch nur
Indizien können vielfältig sein (gemeinsame Hobbys,
Erlebnisse, Äußerlichkeiten,
Gegensätzlichkeiten, Abenteuer, Diskussionsfähigkeit
usw.) und sich teilweise sogar scheinbar widersprechen.
Voraussetzung 2: Wir
reden
über sexuelle Menschen, also
Menschen, die einen Sexualtrieb haben.

Die Welt lebt mit
Definitionen,
Schubladen, Kategorien und
Bezeichnungen. Sie können Grundlage für
Diskriminierungen und Starrheit sein, sie helfen uns aber auch, uns
selbst zu finden und zu überlegen, was man möchte.
Für meinen
Artikel
definiere ich die sexuellen Orientierungen
so:
Heterosexuell ist jemand,
wenn
er Liebesgefühle und sexuelle
Gefühle nur für das andere Geschlecht empfinden kann.
Homosexuell ist jemand, wenn er dieselben Gefühle nur
für das eigene Geschlecht empfinden kann.
Bisexuell ist
schließlich jemand, wenn er bestimmte
Gefühle für das eigene Geschlecht und bestimmte
Gefühle für das andere Geschlecht empfinden kann.
Also ist jemand bisexuell, wenn er z.B. Männer und Frauen
liebt, aber nur Sex mit Frauen hat. Jemand ist aber auch bisexuell,
wenn er z.B. mit Männern und Frauen Sex hat, aber nur
Männer liebt.
Der Begriff Liebe ist
dabei
schon sehr schwer zu fassen,
Gefühle sind nicht eindeutig zu kodieren. Die
Übergänge von freundschaftlicher Zuneigung zur echten
Liebe sind schwimmend.
Ein markanter Spruch der
Bisexuellen ist: «Ich
liebe Menschen und keine Geschlechter.»
Und ich denke, das ist eigentlich schon alles, was man sagen muss.
Schließlich liebt Der Beweis,
dass es keine Heterosexuellen und Homosexuellen gibt!
man einen Menschen in der Regel nicht nur auf Grund des Sexes mit ihm.
Natürlich gehört Sex im Normalfall zu jeder
dauerhaften Beziehung dazu. Aber dies ist ja nur ein Teil. Und ich will
mich jetzt auf den Teil ohne den Sex beziehen.

Wenn ich aber mal
über
das Geschlecht hinweggucke oder mir
vorstelle, ich verstehe mich wunderbar mit einem Freund oder einer
Freundin. Man hat so viel Spaß, man lacht zusammen,
unternimmt alles Mögliche, diskutiert, streitet sich,
versöhnt sich wieder, hat eine tolle Zeit. Man freut sich,
wenn es dem anderen gut geht, man sorgt sich um ihn, wenn es ihm
schlecht geht. Man weiß genau, was der andere denkt oder
fühlt. Man setzt sich keine künstlichen Grenzen, was
man als Mann mit einem Mann machen darf oder was man als Frau mit einer
Frau machen darf, und guckt sich auch einen romantischen Film gemeinsam
an, kocht zusammen, bastelt am Motorrad rum, spielt Fußball
im Dreck miteinander, seift sich gegenseitig in der Badewanne ein und
umarmt sich. Sind das nicht Dinge, die man mit dem besten Freund oder
der besten Freundin tun könnte? Wäre das nicht echt
ne dicke tolle Freundschaft?
Oder darf ich das jetzt
nicht,
auch wenn es toll und schön
wäre, weil Männer sich nicht gegenseitig umarmen und
erst recht nicht «Händchen
halten»? Weil Männer nicht mit
Puppen spielen? Weil Männer keine Gefühle zeigen?
Weil Männer keine Frauenaufgaben übernehmen? Weil
Frauen keinen Männersport machen sollten? Weil Frauen eh
nichts von Technik verstehen?
Wer diese rhetorische
Frage
doch mit ja beantworten will, lebt wohl im
falschen Jahrhundert und hat noch nichts von Emanzipation
gehört. Der versucht andere und auch sich selbst in Schubladen
zu pressen, anderen und sich selbst vorzuschreiben, was man tun muss.
Also kann das alles zu einer guten Freundschaft, ner tollen Beziehung,
einer guten Partnerschaft gehören. Ja, wo ist denn jetzt noch
der Unterschied? Vielleicht sind das die tollen Liebesgefühle?
Doch entstehen nicht auch starke Gefühle, große
Zuneigung durch gemeinsame Aktivitäten, tolle Momente,
Romantik, Freundschaft und viel Spaß? Es ist
natürlich auch die Art zu sprechen, die Art mit den
Händen umzugehen, die Art mit den Augen zu zwinkern usw. Aber
es gibt sowohl Männer, als auch Frauen, die das jeweils auf
eine eher weibliche Art oder männliche Art machen. Ich will
hiermit nicht die Grenzen zwischen den Geschlechtern verwischen, ich
will nicht sagen, dass das Geschlecht austauschbar ist. Aber
Liebes-Gefühle hängen nicht vom Geschlecht ab.
Ein Gedankenexperiment
soll
Folgendes sein: Wenn man sich vorstellt,
dass man sich jedenfalls ansatzweise auch in einen anderen Menschen
verlieben kann, den man noch nie vorher gesehen hat. Man schreibt sich
nur oder chattet, wie es heute Gang und Gebe ist. Vielleicht hat man
nie richtig nach dem Geschlecht gefragt oder hat auch noch nie
darüber nachgedacht. Und trotzdem versteht man sich, und auf
einmal ist da so ein Gefühl da. Oder man sieht einen Menschen
von hin
ten und denkt wow! Man weiß aber gar nicht genau
— ist es nun ein Mann oder eine Frau?
Schließlich
sind auf
der anderen Seite die typischen
Eigenschaften der Geschlechter auch beide reizvoll bzw. angenehm. Die
meisten Frauen reden gerne mit anderen Frauen, finden, dass es so
schön ist, miteinander zu quatschen. Die meisten
Männer haben gerne einen guten Kumpel, mit dem man was trinken
gehen kann oder über Autos oder Frauen reden kann. Viele
Frauen haben einen schönen Körper, viele
Männer haben einen markanten Ausdruck. Das macht doch beides
das aus, warum man jemand anderen so mag, so begehrt, so liebt!
Natürlich gibt
es noch
andere Aspekte. So gibt es den
Familiengedanken, der ja herkömmlich nur mit mindestens einer
Frau und einem Mann vollziehbar ist, sonst gibt es ja keinen Nachwuchs.
Das würde eher für eine heterosexuelle Lebensweise
sprechen, wenn die einzige Alternative Homosexualität
wäre. Wenn man es aber ursprünglich und von der Natur
her betrachtet, so muss man sehen, dass in der Natur viele Herden
existieren, wo nicht alle Tiere Nachkommen zeugen, andere nur mit in
der Herde sind. Mal ganz abgesehen davon dass homosexuelles Verhalten
auch bei Tieren normal ist
(vgl.
«Homosexualität: War
'Flipper'
schwul?» in der GEOWissen Nr. 09/00,
http://www.geo.de/GEO/natur/tiere/287.html).
Zunächst
einmal ist es
völlig unlogisch, warum man
als Mensch nur auf die Reize eines Geschlechts reagieren sollte! Der
eigentlich hinkende Vergleich mit anderen Gebieten hinkt gar nicht so,
wie behauptet wird: Eine Banane hat einen gewissen Geschmack, ein Apfel
hat einen gewissen Geschmack. Die meisten mögen beides.
Natürlich mögen einige den Apfel mehr, andere die
Banane mehr. Manche mögen beides gleich gerne. Manche
mögen beides auch nicht so gerne wie eine andere Frucht oder
gar wie Vanille- und Schokoladeneis. Aber bei den Geschlechtern gibt es
ja nur zwei Varianten (von anderen Betrachtungen in der
Transgender-Forschung mal abgesehen). Und wenn wir davon ausgehen, dass
man einen «gesunden
Sexualtrieb» hat, bezieht er sich auf
die beiden Geschlechter. Warum sollte man sich da prinzipiell auf ein
Geschlecht beschränken? Meinen Kenntnissen nach gibt es kein
Gen, welches sagt: Lust empfindet man nur, wenn man mit dem anderen
Geschlecht Sex hat. Dieses Gen existiert nicht, höchstens
Pheromone, die sexuelle Lust begünstigen.
Viele Menschen erleben
schon in
der Kindheit sogenannte
«Doktorspielchen»,
bei denen das Geschlecht in der Weise sowieso keine Rolle spielt, was
man darf oder nicht — man spielt
durchaus auch mit allen zusammen. Da werden keine Unterschiede gemacht,
allerhöchstens herausgefunden.
In der
Pubertät
erforschen viele Jugendliche dann ihre
Sexualität mit dem eigenen Geschlecht. Das ist bereits
allgemein bekannt, auch wenn es immer noch viele versuchen zu
übersehen. Aber dass man zusammen mit dem eigenen Geschlecht
den Sex erforscht, zeigt ja schon, dass jedenfalls gewisse homosexuelle
Anteile nicht zu leugnen sind. Jedenfalls kann man sexuellen
Spaß zusammen haben.
Wer keine ersten
Erfahrungen
mit dem eigenen Geschlecht sammelt, macht
jedenfalls Erfahrungen mit sich selbst: Es wird masturbiert. Wer sich
streichelt, sich sexuelle Lust selbst beschafft, an seinen
Geschlechtsteilen spielt, was völlig normal und sowohl ein
Teil der Entwicklung, als auch ein Teil einer gesunden
Sexualität auch im späteren Alter ist, der empfindet
also Lust an den Geschlechtsteilen seines eigenen Geschlechts. Es ist
dann nur logisch, dass man mit den Geschlechtsteilen des eigenen
Geschlechts auch lustvolle Vorstellungen verknüpft.
Wäre man hundertprozentig heterosexuell, müsste es
einem nicht gefallen oder völlig kalt lassen. Dass man seinen
eigenen Penis oder seine eigene Scheide dabei aber noch gerne
betrachtet, das kann nicht sein, wenn man wirklich heterosexuell ist.
Aber verbindet man nicht automatisch angenehme Gefühle, wenn
man etwas sieht und gleichzeitig schöne Gefühle hat?
Müsste man dann bei einer offenen Einstellung nicht
ähnliche Gefühle auf einen anderen Mann oder eine
andere Frau übertragen? Ich denke schon. Das ist bei anderen
Erlebnissen ganz genau so.
Dazu kommt noch, dass
die
meisten Menschen bestätigen, dass
sie es sexuell anregend finden, wenn ihr Sexpartner Lust empfindet.
Dann muss es also doch auch anregend sein, jemand anderen des gleichen
Geschlechts zu befriedigen. Man kann ja sogar die Gefühle sehr
gut nachempfinden. Man weiß, wie sich das anfühlt,
ganz genau.
Und wenn man jetzt
noch
über sexuelle Praktiken nachdenkt,
dann gibt es viele Praktiken, die so oder so ähnlich mit
beiden Geschlechtern möglich sind. Ja, man kann sogar zum Teil
gar nicht unterscheiden, wer einem sexuelle Lust genießen
lässt. Wenn man mit geschlossenen Augen Oralverkehr
genießt, könnte
es sowohl ein Mann, als auch eine Frau sein, die einen gerade
verwöhnt. Wenn man sich gegenseitig streichelt, dann kann das
ein Mann genauso gut wie eine Frau. Wenn man sich küsst,
schließt man sowieso die Augen. Wenn man Analverkehr erlebt,
dann spielt es für den aktiven Part doch keine Rolle, ob der
andere ein Mann oder eine Frau ist —
vielleicht von der Vorstellung her, aber sicherlich nicht vom reinen
Sex.
Wer z.B. meint, dass
er mit
Männern nichts anfangen kann, weil
viele Männer behaart sind, der hat keine Argumente mehr, wenn
man über rasierte Männer redet. Und Analverkehr
praktizieren nicht einmal alle angeblich Schwulen.

Der ganz platte
triviale Grund
dafür, dass jeder Mensch nicht
ganz homosexuell sein kann, liegt in der Natur des Menschen: Der
Überlebenstrieb, der Fortpflanzungstrieb ist im Menschen
drinnen, und so ist es nur natürlich, auch Lust am anderen
Geschlecht zu finden.
Manche
religiös
verblendete Fanatiker behaupten, Sex
wäre nur zum Fortpflanzen gedacht. Wer so etwas behauptet, hat
nichts vom Leben verstanden. Viele Dinge in der Natur sind nicht
überlebensnotwendig. Dann wäre die weibliche Klitoris
eventuell nicht notwendig. Dann dürfte man sich auch nicht
selbst befriedigen, Oralverkehr wäre zu unterlassen, man
könnte Vergnügungsparks schließen, Musik
bräuchte man nicht, und das Forschen können wir auch
gleich lassen ... . wozu Denken, Erfinden,
Philosophieren, Sich Amüsieren, Experimentieren,
Spaß haben?
Dennoch sind
heterosexueller
Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung
miteinander verschlungen. Alles andere sind Spielformen, andere
Lustformen, die man sich natürlich holen darf, solange alle
Beteiligten Spaß dabei haben. Aber der eigentliche Verkehr
hat ungehindert davon seine Berechtigung, ohne den wir ja nun alle
nicht hier wären.
Und es ist eine Art
Verschmelzung, eine Vereinigung, die mit einem
Menschen, den man auch noch liebt, auch eine symbolische Funktion hat.
Weiterhin kommt beim Mann der begattende Gedanke hinzu, es liegt in der
Natur, seinen Samen weiterzureichen —
diese Vorstellung ist sicherlich sehr ursprünglich, aber sie
gehört auch zum Sex dazu. Ein Mensch ist zwar kein Tier, aber
er ist auch kein triebloser Roboter.
Aber es gibt weitere
Gründe. Der Mensch ist
schließlich neugierig. Also will man doch auch das andere
Geschlecht erforschen. Man hat die anderen Geschlechtsorgane nicht,
also würde einem bei homosexueller Lebensweise auch immer
etwas fehlen. Bei einer heterosexuellen Partnerschaft hat man immer
beide Geschlechtsorgane zur Hand. Sex ist auch immer eine Erforschung,
eine Wanderung, ein Abenteuer. Sowohl der Penis, als auch die Scheide
haben sehr faszinierende Eigenschaften, die schon aus
wissenschaftlicher Sicht bemerkenswert sind. Daran zu spielen muss
einfach Spaß machen. Der Penis versteift sich, er
verändert seine Form, reagiert stark auf Berührung,
aber auch auf Vorstellungen seines Besitzers. Die Ejakulation ist
ebenso ein komplexer Vorgang, der immer wieder faszinierend ist. Das
ganze ist etwas Machtvolles, Starkes, Intensives, vielleicht auch
Verbotenes, Aufregendes. Die Vagina dagegen hat etwas Geheimnisvolles,
Frohlockendes. Sie verbirgt etwas Geheimnisvolles. Der Vorgang des
Feuchtwerdens ist genauso wie die Erektion bemerkenswert. Eine
heimliche, aber doch sehr bedeutsame Veränderung sorgt
für unser Staunen. Die Aufnahme des Penis und Anpassung ist
ein Prozess, der nicht ohne Grund erstaunlich ist, ein Wunder der
Natur. Schließlich ist der Kitzler genauso wie die Eichel
eine sehr empfindsame, wunderbare Stelle, mit der man spielen kann.
Dazu kommt die Ästhetik von Vagina und Brüsten bzw.
von Penis und Hodensack und außerdem von der Kehrseite.
Männer wie Frauen haben eine erotische Ausstrahlung,
können ästhetisch dargestellt werden. Und
unverklemmte Leute bestätigen sofort, dass beide Geschlechter
ihre schönen Seiten haben und für die Kunst geeignet
sind. Wer nun aber von beiden Geschlechtsorganen begeistert ist, sie
schön findet, Erregung mit ihnen verbinden kann, kann aber
nicht hundertprozentig homosexuell sein.
Es gibt in der
Geschichte der
Menschheit sehr viele kranke
Entwicklungen: Diskriminierungen, fal
sche Verfolgungen, Bekämpfung von Minderheiten, um von den
eigenen Fehlern abzulenken sind keine Seltenheit. Denken wir nur an
Sklaverei, Hexenverbrennung, heilige Kriege, Verbot von Onanie und
anderes. Es ist echt lächerlich und peinlich, was sich manche
Menschen ausgedacht haben, auch wenn man es im geschichtlichen Kontext
sehen muss.
Ich finde es
hochgradig krank,
dass auch heute noch Leute versuchen,
Homosexualität einzugrenzen, zu verdammen, zu
bekämpfen oder zu bestrafen. Diese Leute haben aus den
falschen Diskriminierungen anderer
«Minderheiten» nach
wie vor nichts gelernt. Die ganze Angst vor Homosexuellen manifestiert
sich bei manchen Menschen in einer Homophobie. Sie finden in der Regel
männliche Homosexuelle eklig und abstoßend. Diese
Leute können in der Regel keine Gründe für
ihre Abneigung äußern, es bleiben allgemeine
Phrasen, die nur von inneren Gefühlen, die nicht zu
erklären sind, beschrieben werden. Homophobe Menschen haben
meist eine konkrete Vorstellung, wie Schwule sind. Es gibt da nur die
Bären in Lederklamotten, die sich gierig auf einen armen
kleinen Hetero stürzen, als hätten sie nichts anderes
zu tun und würden jeden überfallen. Oder sie sehen
nur extrem «tuntig»
auftretende Typen, die schminkend über einen gackern.
Natürlich gibt es solche Männer. Aber es gibt auch
Frauen, die den homophoben Mann abschrecken.
Ekel gegen ein
Geschlecht ist
absolut unnatürlich. Wenn man
Bisexualität als für sich selbst uninteressant
einstuft, ist das ja vielleicht noch nachvollziehbar, aber wer es als
eklig darstellt, ist irrational. Der Ursprung liegt wohl daran, dass
die Männlichkeit, der Beschützerauftrag mit dem
Gleichstellen mit anderen Männern in Frage gestellt werden
könnte. Man dürfe sich als Mann ja nicht fallen
lassen, nicht unterwürfig und schwach sein. Auf der anderen
Seite ist immer wieder lustig zu beobachten, dass die weibliche
Homosexualität nicht ernst genommen wird oder als Lustobjekt
der männlichen Sexualität dargestellt wird. Wie viele
Heten-Pornos gibt es, in der keine Lesbenszene zu finden ist? Das
gehört einfach mit dazu. Weiterhin sind zwei Frauen, die sich
küssen, schon immer etwas Erotisches gewesen, egal ob im
Fernsehen oder in der Vorstellung des Mannes. Da würde kaum
ein angeblich heterosexueller Mann
«eklig» schreien.
Wenn dann die Frauen aber mehr Gefallen aneinander finden als an einem
Mann, dann wird das Weltbild des Mannes wieder zerstört, und
er ist irritiert.
Die Geschichte zeigt,
dass
unsere Vorfahren schon leichtfertiger mit
dem Thema der Bisexualität umgegangen sind. Im alten Rom war
der Sex mit dem gleichen Geschlecht nichts Verwerfliches, sondern
gehörte zum guten Ton. Wie man heutzutage die Zuneigung zur
Knabenliebe wertet, steht vielleicht auf einem anderen Blatt, aber es
war zu der damaligen Zeit völlig normal.
Die asiatischen
Philosophien
reden schon lange vom Mann in der Frau und
der Frau im Manne. Wer kennt nicht das schwarz-weiße Symbol
Ying-Yang. Es gibt halt keine hundertprozentig weibliche Frau, keinen
hundertprozentigen männlichen Mann.
Und
schließlich sei
noch auf den anerkannten, wenn auch nicht
unkritisierten Philosophen Freud hingewiesen, der schon im letzten
Jahrhundert schrieb, dass jeder Mensch bisexuell sei.
Zum Schluss dieses
Abschnittes
sei noch angemerkt, dass auch das
übertrieben homosexuelle Verhalten merkwürdig ist.
Dies stößt auch manchen angeblichen Homosexuellen
auf. Wer sich nur noch durch seine sexuelle Orientierung definieren
kann und keine anderen Interessen hat, ist doch sehr
eingeschränkt. Natürlich ist es wichtig, sich selbst
zu finden und seine Identität zu akzeptieren und zu
schätzen. Aber wenn der Stolz (im schwulen Jargon
«Pride») soweit
geht, dass man schon Heterosexualität als unnormal bezeichnet,
Bisexuelle versucht zu diskriminieren und nur noch in der schwulen
Szene und Welt lebt, dann ist man definitiv über das Ziel
hinausgeschossen und ist nicht besser als ein verklemmter,
spießiger Heterosexueller.
Frank
PS: Ich bin an einer Diskussion über diesen Artikel (bzw. der Langfassung www.bigaystammtisch.de/beweislang.doc) interessiert! Also schreibt an bijou@bine-web.de oder besser noch diskutiert im Forum mit: http://diskussion.bine-forum.de/
hat die Wochen
ausgetauscht:
Nun
ist Treffen jeden 4. Freitag um 20 Uhr in der Fire-Bar,
Knochenhauerstr. 34 und
Gesprächsrunde
jeden
2. Donnerstag um 19.30 Uhr im Knackpunkt,
Knochenhauerstr. 11
Kontakt: Anja,
0175-6772419,
info@bi-on-fire.de
Es ist dir gegeben, so zu
leben, wie es dir gegeben, es ist dir gegeben
zu nehmen, aber auch zu geben,
Drum leb dein Leben, wie es dir gegeben und lass von keinem es dir wieder nehmen!
Lass dich nicht von and`ren
leben, das ist dir
keinesfalls gegeben, sonst hast du selbst bald gar nichts mehr zu
geben,
Verschwende nicht dein Leben
an
Dinge die dir nicht gegeben, nutze
vielmehr dieses Leben, was dir einst gegeben, um dich zu freuen
über Dinge welche dir gegeben!
Lauf nicht davon, vor einem
Leben, welches dir gegeben, sondern greif nach den Gelegenheiten die
sich dir geben, trinke aus den Quellen die durchfluten jenes Leben, das
man dir gegeben!
Zerstör kein
and`res
Leben, denn das
heißt nur Nehmen, niemals Geben, und das ist mitnichten dir
gegeben!
Schenk Liebe deinem Leben,
ja,
das ist dir gegeben und
empfange tausendfach zurück, was an Liebe du bereit warst
abzugeben,
Erschaffe neues Leben, auch
das
ist dir gegeben. Sieh mit Freuden
Wachsen jenes Leben, was du hast gegeben, und trag Sorge, dass auch
dieses Leben leben kann, wie es ihm gegeben!
Maik Eisfeld
Es gibt einen Film, den
jeder
Bisexuelle gesehen haben sollte! Nein,
jeder sollte ihn gesehen haben! Denn schließlich spricht er
jeden an, jeder erkennt sich bei den verschiedenen Szenen wieder und
denkt: «Ja, genau! So war das bei mir auch! Ja,
das kenne ich!»

It's just like humans
really.
Each time
we fall in love, it is if we are doing it for the first time.
Some kind of chemical
reaction
kicks in and wipes out the memory how
painful the last heart break was ... and
we think: Wow, this is great! This is new! This is
different!»
Tom liebt Isolde, aber
eigentlich ist er noch mit Clara zusammen.
Nachdem sie ihn erwischt hat, kommt sie mit Angie zusammen, die dann
aber eifersüchtig auf sie und Eddy ist. Derweil
nähert sich David dem Fahrradkurier Red an, der ja eigentlich
absolut schwul ist und nur einmal mit Angie abgestürzt ist,
und wird von Rosie verlassen. Rosie will dann irgendwann Larry
heiraten, wenn da nicht noch die Möwen wären.
Inzwischen sind Isolde und Clara ein Paar, doch die einst so offene
Clara wird auf einmal selbst eifersüchtig! Doch endlich finden
Tom und Angie ihren Traumpartner, und alles wird gut
— jedenfalls am Ende!

Die Dubliner Goldfische in
diesem beschwingenden Film voller
Alltagshumor, Romantik, schöner Bilder und wunderbarer Musik
(der Soundtrack hat sich nicht ohne Grund schnell durchgesetzt) sind
Frauen und Männer, die auf der Suche nach Erfüllung
von Liebe und Leidenschaft sind. Man kann sich den Film immer wieder
angucken, um einfach eine gute Stimmung zu bekommen, denn er ist
einfach lustig und lebensbejahend! Eine Aufklärung
für alle Verklemmten und ein Leckerbissen für alle
Bisexuellen!

Frank
Das Copyright der Filme liegt jeweils bei den Produktions- oder Vertriebsgesellschaften.
In Hamburg seit bald 4 Jahren: Der Stammtisch für junge Bis & Friends —
www.bigaystammtisch.deFrank, frank@bigaystammtisch.de

Diese ganz besonderen
Horoskope
sind 1:1 auf das wahre Leben umzusetzen
und deswegen absolut ernst zu nehmen! Der vorherige Satz allerdings
nicht!
Zwei
halbmondsichelförmige Hörner besitzt der
Bi-Stier und ist so ganz horny auf beide Geschlechter. Seine Eifersucht
ist aber eine Herausforderung für jeden, der nicht monogam
leben möchte. Stierkämpfe findet er ganz toll, denn
die Toreros sehen schon gut aus, doch bei falschen
Liebes-Versprechungen von Heteros sieht er rot und spießt
auf, was ihm in die Quere kommt! Noch schlimmer sind nur Kommentare
wie, dass er sich nicht für eine Seite des Tuches entscheiden
könne ...

Wie im Ying-Yang
vorgeschrieben
hat gerade der Bi-Zwilling beide
Geschlechter in sich: Mal zeigt er sich von seiner männlichen
Seite und kann problemlos einparken, mal von der weiblichen Seite und
kann Magenta von der Farbe Orchidee unterscheiden. Die
männlichen Bi-Zwillinge schlüpfen mal gerne in
Frauenklamotten, mal bevorzugen sie doch den Smoking. Die weibliche
Zwillinge können sich permanent nicht entscheiden, ob sie
lieber einen kurzen Lesben-
Haarschnitt oder doch lieber die weiblichen 1-Meter-
Haare tragen. In der Sexualität muss der Bi-Zwilling sich
nicht entscheiden, sondern lebt beide Sexualitäten gerne aus.

Gerade aufgrund der
Formenvielfalt ist es sehr schwierig, starre
Schubladen-Merkmale für den Bi-Krebs festzulegen. Es klafft
eine große Schere zwischen den tatsächlich
sexnimmersatten Krebsen, die arme Gay-Herzen auf dem Gewissen haben und
zahlreiche Ehe-Krisen verursachen, bis hin zu den eher rein
bi-emotionalen Flusstieren, die in den Bergen über ihre wahren
Gefühle meditieren, ohne ihre Wünsche in die
Realität umzusetzen. Eins bleibt ihnen aber alle gleich: die
Sehnsucht nach dem ausgleichenden Wasser der Liebe!
Frank
Illustrationen von Nadja
jeden 2. Freitag ab 21 Uhr
in
der Sichtbar, Hintere Bleiche 29, Mainz
jeden 4. Freitag ab 20:30 Uhr Bi-Polit-Abend im
«Taberna
Academica», Uni-Mainz, Becherweg 5,
Kontakt: biohlogisch@web.de, Werner (Tel.:0611-598947), http://biohlogisch.q27.de
Dann gibt's noch die Bi-Gruppe Laatzen mit Gruppenabenden jeden 2. Mittwoch um 19:30 Uhr im Kontaktzentrum Kiefernweg 2, 30880 Laatzen Kontakt: Volker von Thenen, Tel.: 0511-4503571, bigruppelaatzen@aol.com, www.bisexuellengruppe-laatzen.de
Theater, Theater, sang einst
Katja Ebstein und das Theaterspiel
begleitet bereits seit Jahren die Treffen der BiNe.
Bild 1: Sabine und Andreas
in den Proben zu «After
Eight»
Bis zur
Mitgliederversammlung
im Mai 2002 in Göttingen hatte
es bereits einige Aufführungen von Laien für ein
erlesenes Publikum gegeben. Entstanden sind die Stücke wie
Rotschamhärchen und andere spontan, improvisiert, entwickelt,
einstudiert und aufgeführt auf Treffen. Die Darsteller,
Intendanten, Aktiven waren Jürgen, David und jeder, der Lust
und Zeit hatte, etwas zu zeigen, die Teilnehmer an den Treffen zu
unterhalten.
Bild 2: Andreas und Jürgen
im MaskenspielSabine und Jürgen
beschlossen, dem Theaterspielen einen festen
Rahmen, eine Form zu geben, und hoben die Theater AG aus der Taufe.
Die Initiatoren:
Jürgen (macht gerne Theater) und Sabine
(Theaterpädagogin aus Leidenschaft)
Mitspieler: David, Gisela,
Andreas, Gaby, Han, Andreas, Ulla, Corrie,
Petra, Marlies, Simone, (Julia) und viele andere.
Helfer: Fabian, Hajo, Ulla,
Peter, das Orgateam
Es gab ca. 3 Treffen pro
Jahr,
kreative, organisatorische und
spielerische Sitzungen in Essen, Speyer, Frankfurt, Witten,
Köln.
Theater haben wir schon
lange
vorher gespielt, doch erst
Sabines eisernes Training an Form, Ausdruck, Stimme, ihre Geduld, wenn
es mal wieder länger dauerte, hat uns das Gefühl
gegeben, dass wir mehr können als einfach nur spielen. Wir
lernten, mit und ohne Stimme darzustellen, uns auszudrücken
und uns, im Jahr 2005, erstmals, im Rahmen der Gesundheitsmesse in
Köln einem
«offenen» Publikum
zu zeigen. Und wir waren soooooooo gut, und wir hatten eine Message:
«Safer Sex siegt».
Auf dem Weg dahin haben wir
Theaterstücke entwickelt und
aufgeführt, gelernt, geschwitzt, uns gestritten und vertragen.
Einige Mitspieler kamen und gingen auch wieder. Andere blieben.
Erste
Stücke ergaben sich spielerisch, wurden weiter entwickelt.
Vielleicht erinnert ihr euch an das Spiel mit den Masken,
aufgeführt im Waldschlösschen in Göttingen.
Ohne Worte und mit viel Mimik und Gestik. Da gab es die Geschichte von
Charlotte und ihrem Heteromann, die ich und Han in Butzbach
aufführten, «Wohin gehst
du», in verschiedenen Varianten.
Unveröffentlicht ist der Kopf-Schwanz-Dialog,
öffentlich aufgeführt und auf Video verewigt
«Tripple S, Safer Sex
siegt».
Das letzte und
größte Projekt der Theater AG war das
mit der Unterstützung von Patricia: Sie
überließ uns das Manuskript und war uns nicht
böse, dass wir es veränderten. Mit der
Unterstützung einiger Mitglieder der Kölner Gruppe,
dank des Fleißes aller Beteiligten, der
Unterstützung des KISS (Köln) und der finanziellen
Unterstützung der BiNe war es uns möglich, dieses
Stück zu gestalten, auf vielen Arbeitstreffen einzustudieren
und aufzuführen.
Bild 3: David, Andreas und
Han, bei dem Theatertreff in Frankfurt
Mit Bedauern haben wir bei
der
Aufführung festgestellt, dass die ca. 40 bis 50 Zuschauer fast
ausschließlich nicht zu unserer großen Bi-Familie
gehörten.
Hallo ihr Uferlosen. Wo ward
ihr??
Unsere Ziele waren es, nicht
nur Theater zu spielen. Wir wollten nicht
nur zur Unterhaltung auf den Treffen beitragen, zum Nachdenken,
über das, was wir auf den Treffen mitbekamen, anregen. Nein,
wir wollten eine
«Bi-Botschaft»
spielerisch in die Welt tragen.
Die Zeit, die wir
aufgebracht
haben,
ist nicht verloren. Ich glaube, wir haben sie manches mal genossen. Wir
waren —als wir anfingen,
«unser
Theaterspiel» zu gestalten, Workshops
auf den Treffen anboten— traurig
über die geringe Resonanz, die nur bei einzelnen erkennbare
Bereitschaft, ihre Zeit und ihre Talente in die Theaterarbeit
einzubringen, sehr traurig, enttäuscht.
Wir waren dagegen aber im
Laufe
der Zeit verwundert, wie viel wir mit
den wenigen Teilnehmern erreicht und auf die Bühne gestellt
haben.
Wir waren glücklich über die positiven Kommentare zu dem von uns Gezeigten. Und wir waren überwältigt über die Bereitschaft der Menschen, die mit uns unser «Grand Spektakel», unser «Trippel S», über Monate entwickelt, einstudiert und aufgeführt haben.
Bild 4: Simone,
Jürgen, Peter, Julia, (?), Fabian, Sabine,
Hajo, Marlies, Corrie, (?), nach der Aufführung des Triple S,
auf der Gesundheitsmesse 2005 in Köln
Die ganze Welt ist ein
Theater
und nicht immer ist es ein
Schwank. Leider ist es, dass sich viel zu oft individuelle Dramen
abspielen. Wie sang einst Heinz Rühmann:
«Der Clown, der Clown, der Clown, der ist gar
lustig anzuschauen....», aber niemand
schaut dem Clown in sein Herz hinein.
Das Licht geht aus, der
Vorhang
ist gefallen. Die Mitspieler verlassen
die Bühne. Die Theater AG hat ihren Auftritt gehabt. Die
Theater AG geht. Auf der Mitgliederversammlung, im April 2006,
verabschiedet sie sich und geht in den wohlverdienten Ruhestand.
Danke an alle, die mit
mir/mit
uns spielten, stritten, weinten,
zitterten, lachten und uns all das ermöglichten.
Danke, besonders dir, liebe
Sabine. Ich habe viel von dir gelernt.
Und ich? Die ganze Welt ist
ein
Theater, und ich bin ein Teil davon,
ein Clown.
Der Vorhang ist gefallen und
das Licht geht AUS.
Jürgen
bietet seit letztem Jahr
wieder
eine sehr aktive Bi-Community
mit Bi-Gruppe jeden 2. Donnerstag im Monat um 20 Uhr im Rat &
Tat Zentrum, Theodor-Körner-Str. 1, oben im Gruppenraum und
Bi-It-Café jeden 4. Donnerstag im
Café Kweer, gleiche Adresse. Weitere
Aktivitäten: Bi-Warm-Up-Partys
Kontakt: Bi-Gruppe-Bremen@web.de
trifft sich jeden 3. Montag ab 19:30 Uhr im Café Glück, Palmstr. 4, 80469 München und hat eine eigene Diskussionsgruppe! Kontakt: Ralf (Tel.: 089-12710510),info@bi-muc.de, www.bi-muc.de
Das SaferSexSchlampen-Projekt,
kurz «Triple
S» genannt, entstand im Jahre 2004 in
Meschede aus einer spontan zusammengesetzten Arbeitsgruppe (mit
Patricia, Volker, David, Maria u.a.) und mündete in der Aufführung des ersten
Bausteins im Rahmen des Bunten Abends . In zwei darauffolgenden Treffen
wurde das Drehbuch geschrieben und der Soundtrack zusammengestellt.
Es handelt sich um ein ca. 50minütiges lustiges, ernstes und
teilweise auch etwas makaberes Theaterstück, welches sich aus
(bisher sechs) Bausteinen zusammensetzt, die je nach Kombination an
verschiedenen Orten als Aufklärungsprojekt zum Thema
«Safer Sex»
aufgeführt werden können. Die Zusammensetzung ergibt
sich aus der
«Belastbarkeit» und
dem Alter des Publikums. Zum Beispiel würden in einer Disco
andere Sequenzen gezeigt werden als an einer Schule, und wieder andere
auf einer AIDS-Gala.
Eine breite Streuung der Aufklärungsarbeit wäre
wünschenswert, allerdings hat sich herausgestellt, dass die
praktische Umsetzung im BiNe-
Rahmen sehr schwierig und für Treffen außerhalb
(aufgrund unserer bundesweiten Verteilung) kaum Zeit vorhanden ist.
Deshalb würde ich jetzt gerne mit einem Videoprojekt beginnen,
um die Arbeit erst einmal sichtbar zu machen.
Die (im Gegensatz zu uns
«Schlampen»
wesentlich diszipliniertere) Theater-AG hat das Stück auf
Anfrage der Veranstalter bei den Kölner Gesundheitstagen 2005
leicht modifiziert uraufgeführt und gezeigt, dass es
interessiertes Publikum dafür gibt.
Ebenfalls tragen die
periodisch immer wieder auftauchenden Medienberichte über den
Verlauf von HIV und das vor allem in der jüngeren Generation
wieder nachlassende Schutzbewusstsein dazu bei, dass ich diese Idee
nicht einfach begraben möchte, bevor sie richtig gelebt hat.
Das Beispiel der SaferSexSluts aus den USA, die auf der IBIS schon vor
10 Jahren zu sehen waren und von welchen es auch eine etwas
freizügigere Aufzeichnung in Vivians Videosammlung gibt, ist
mein großes Vorbild, und ich gebe die Hoffnung nicht auf,
dass wir so etwas auch in Deutschland zustande bringen
könnten.
Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn Ihr einen kleinen
Teil Eurer Spiel-Lust, die Ihr zu den BINE-
Treffen immer mitbringt, an dieses Projekt spenden könntet.
Patricia

Die Drehbücher (oder einzelne Bausteine daraus)
können vorab zugeschickt werden, damit Ihr Euch eine
Wunschrolle aussuchen könnt.
Die Besetzungsliste sieht folgende Rollen vor:
Bridge Markland ist eine Meisterin. Im Gebrauch ihrer Zunge. Und
deshalb lässt sie Neugierige teilhaben an ihrer
Zungenkuss-Karriere: Wer ihre sinnlichen Wortjonglagen kennt
—Der Text/Bildband
«Stripped» ist
bereits 2000 im Konkursverlag
erschienen—, darf gespannt sein, wie man
sich dem Thema Zungenfertigkeit noch nähern kann. Sie, die
sich virtuos in ihren Performances vom Mann zur Frau verwandelt, mit
Witz und Charme stets jenseits Varieteé-
Glitter-Shows, offeriert ihre Kunst als einer von 42 Workshops
innerhalb der xplore 2006 vom 28.-
30. Juli 2006.
«Extreme Sinnlichkeit - sinnliche
Extreme» verspricht die xplore Berlin
auch in ihrem dritten Jahr allen neugierigen Teilnehmerinnen und
Teilnehmern. Es geht um kreative Formen Sexualität zu leben,
um die Freiheit, Grenzen zwischen erotischen Spielarten zu
verflüssigen. Es geht um Rituale und
ästhetisch-inszenierte Aspekte von Sexualität.
Federführend sind Felix Ruckert und Caprice Dilba. Felix
Ruckert -
der als Choreograph bekannt ist, in seinen Tanztheaterstücken
die Grenzen zwischen Zuschauern und Tänzern auf
sinnlich-intelligente Weise zu überschreiten- ist mit der
Konzeption der ersten xplore im Jahr 2004 in die Schlagzeilen geraten.
Selbst für Berlin zu brisant unter dem Namen und der
Förderung von Kunst, explizite Workshops anzubieten wie
«Spanking»,
«Spiele mit
Nadeln»,
«Orgasmatron» oder
«BDSM und
Performance».
Zugegeben - kontrovers diskutierte Inszenierungen machen mich
neugierig.

BDSM? Mir persönlich zunächst ziemlich fern.
Sinnliches Erleben verfeinern und spielerisch zu entdecken klingt
tatsächlich äußerst verlockend.
2005 war ich dabei. Es lockten Workshops mit Themen wie
«Haut» und
«Bisexuelle
Abenteuer» (Felix Ruckert) oder
«Sexuelle Phantasien:
Geschlechter/Rollentausch» von Dorothea Seror - bei der sich vieles im Dunkeln abspielt und die auch in diesem
Jahr wieder dabei sein wird.
Denn: Sexualität als Teil theoretischer Reflektion, innerhalb
therapeutischer Arbeit oder - und in vielen Fällen muss da ein
«und» stehen - mit
ausdrücklich ästhetischen Absichten prägen
auch 2006 alle Angebote innerhalb des Wochenendes.
Roza A. Bliss bietet «Massage für
Frauen» an - im letzten Jahr hat mich
ihre zarte, einfühlsame Art und ihr tiefes inneres Leuchten
sehr berührt. Die eher kargen Räumlichkeiten waren
mit Vorhängen abgedunkelt, Kerzen und Klangschalen,
Tücher und Federn mit denen frau ihre Massagepartnerin
angeleitet verwöhnen konnte. Ich fühlte mich nach
einer Stunde aufgetankt wie nach einer Woche Urlaub und tief
berührt. Die Teilnehmerinnen erkannten sich auch eine Stunde
später noch leicht: Rote Wangen, ein schwebender Gang und eine
tiefe Zufriedenheit - so wunderschön war es nach Samt, Seide
und Federn ein nur von der Luft ausgebreitetes Kaschmirtuch auf der
Haut im Abschlussritual der Massage zu spüren.
In diesem Jahr auch mit dabei: Matthias T.J. Grimme (Redakteur
«Schlagzeilen»)
führt in die Kunst des «Erotischen
Schreibens» ein, und Thomas Lohmann
zeigt als Neotantriker Männern sinnliche Massageformen. In
manchen Workshops wird nach Geschlechtern getrennt, in anderen nicht.
Ohnehin ist das Verhältnis von männlichen zu
weiblichen Teilnehmern ausgewogen.
In den Pausen bleibt viel Raum für offene Gespräche
mit anderen Teilnehmern.
Ich lerne mehrere aktive BDSM-
Menschen kennen und entdecke im Gespräch, dass Hingabe und
Vertrauen die Leitthemen sind über die Szeneschubladen hinaus.
Mir fällt positiv auf: Weder überwiegen die
esoterisch geprägten Batikhosen und Saris, noch Lack- und
Leder-Fetischklamotten. Bei den Workshops begegnet man sich
überwiegend in bequemen Stoffhosen und T-Shirts. Zur
Abschlussparty im Berliner Dark Side Club hingegen dann - wie
gewünscht erotische Kleidung: Lack, Leder, Spitze und Corsagen.
Schwarz dominiert.
Aufregend die Atmosphäre, viele sind zum ersten Mal in einem
Club.
Es sind Menschen, die neugierig sind und mutig. Vielleicht auf der
Suche ihre Grenzen auszuprobieren. Fühlen wie es ist,
kunstvoll gefesselt zu werden, mit Hingabe zu experimentieren.
genießen und einfach Spaß zu haben, egal welcher
Szene man sich nun zugehörig fühlt. Genau jenes
szeneübergreifende Gefühl nehme ich mit nach Hause
und - diese ganz besondere Energie.
«Frisch verliebt?»
fragte mich eine Freundin, als ich zurückkam aus Berlin.
Ich grinste. «Und? Wer ist es?» fragte sie. «Niemand bestimmtes. Ich selbst. Glaub ich.»
Claudia
Felix Ruckert: www.felixruckert.de
Caprice Dilba: www.sensualsinners.de
Bridge Markland: www.bridge-markland.de
Roza A. Bliss: www.lachende-yonis.de
Thomas Lohmann: www.gaylovespirit.de
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30.09.-03.10.2006 im Waldschlösschen bei Göttingen
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Frank(bijou@bine-web.de)
Martin (martin@breuer-cartoon.de)
Anne, Astrid, Claudia, Corrie, Jürgen, Kai, Karin, Maik,
Marlies, Mila, Patricia, Petra
BiNe e.V., Maik Eisfeld,
Oststraße 25, 99994 Schlotheim / Thür.
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Illustrationen: S. 40/41 - Nadja, S. 1, 3, 15, 20, 47, 52 - Martin.
Das Bild vom Kölner Dom auf Seite 11 kommt von:
http://www.biologie.de/biowiki/Bild:Kölner_Dom.jpg
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